Fuhlsbüttel : Hamburg Airport: 16 Punkte gegen den Fluglärm

Hamburg will einen 16-Punkte-Plan gegen Fluglärm beschließen.
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Hamburg will einen 16-Punkte-Plan gegen Fluglärm beschließen.

Was hilft gegen Lärm durch Flugzeuge? Eine Maßnahme: Hamburg bekommt den mächtigsten Fluglärmbeauftragten Deutschlands.

shz.de von
15. Januar 2015, 07:41 Uhr

Hamburg | Die Anwohner des Hamburger Flughafens sollen deutlich besser vor Fluglärm geschützt werden. Einen Monat vor der Bürgerschaftswahl haben sich die Fraktionen der Bürgerschaft überraschend auf einen 16 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog zur Verringerung des Krachs aus Flugzeugturbinen verständigt. Wesentliche Neuerungen des im Umweltausschuss beschlossenen Papiers sind ein „lärmoptimiertes Anflugverfahren“, eine strengere Überwachung des Nachtflugverbots sowie mehr Transparenz durch die Öffnung der Fluglärmschutzkommission. Zudem könnte Hamburg die mächtigste Fluglärmschutzbeauftragte in Deutschland erhalten. Die Bürgerschaft soll den Plan in zwei Wochen endgültig absegnen, damit sich Senat, Airport und Flugsicherung sofort an die Umsetzung machen können.

Laut dem 16-Punkte-Katalog soll es einen erneuten Anlauf geben, den Nordost-Anflug über dem Kreis Stormarn von sieben auf zehn Nautische Meilen (18 Kilometer) auszudehnen. Von einer Verlängerung des Einschwenkpunktes erhoffen sich die Bewohner in den Hamburger Walddörfern eine deutliche Verringerung ihrer Lärmbelastung. Eine etwaige Änderung will Hamburg aber eng mit Nachbarorten wie Ahrensburg und Bargteheide absprechen, damit nicht deren Bewohner zu Leidtragenden werden. Auch sollen die Deutsche Flugsicherung und der Flughafen prüfen, ob ein steilerer Anflugwinkel möglich ist. Das würde sich auf alle anderen Bahnen lärmmindernd auswirken.

Das Gebiet rund um den Hamburger Flughafen ist in drei Lärmzonen unterteilt.
sh:z
Das Gebiet rund um den Hamburger Flughafen ist in drei Lärmzonen unterteilt.
 

Weitere Maßnahmen sind die Erhöhung von Gebühren für Ausnahmegenehmigungen von der Nachtflugbeschränkung. Maschinen, die nach 23 Uhr landen, sollen so viel zahlen, dass sich ein bewusstes Zuspätkommen für die Airlines nicht mehr rechnet. Auch bei der Verhängung von Bußgeldern fordert der Umweltausschuss ein strengeres Vorgehen. Nicht zuletzt wollen Hamburgs Politiker das Amt des Fluglärmschutzbeauftragten deutlich aufwerten. Bundesweit erstmalig soll für die Position in Hamburg eine eigene gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Ziel: Nach dem Vorbild der Datenschutzbeauftragten soll der Fluglärm-Anwalt unabhängiger von Behörden, dem Flughafen und der Flugsicherung agieren können. Ebenfalls wie beim Datenschutz soll der Lärmbeauftragte einen Jahresbericht erstellen. Und: Von der Umweltbehörde im fernen Wilhelmsburg verlegt der Fluglärmbeauftragte seinen Arbeitsplatz an den Flughafen. Airport-Anwohner sollen zudem deutlich mehr Einblick und Mitsprachemöglichkeiten erhalten.

Wie sehr werden die Schleswig-Holsteiner durch den Hamburger Flughafen gestört?

In Schleswig-Holstein sind tagsüber schätzungsweise 4430 Menschen und nachts 100 Menschen von Lärm durch den Flughafen Hamburg betroffen. Das teilte eine Sprecherin des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums mit und berief sich auf eine Erhebung aus dem Jahr 2012. Zum Vergleich: In Hamburg sind es tagsüber 51.000 und nachts 4400 Betroffene. 

Die Auswertung schlüsselt auch einzelne Regionen auf. So leben die meisten Betroffenen aus Schleswig-Holstein in Norderstedt (2400), gefolgt von Hasloh (920) und Quickborn (480). Die Geräuschbelastung von Ahrensburg und Bargteheide liege unterhalb der in der Lärmkartierung dargestellten Pegelbänder (50 bis 65 Dezibel), so das Ministerium. Aus diesem Grund sind keine Betroffenen für diese Städte aufgeführt. Norderstedt ist die einzige Stadt, in der nachts Fluglärm zu hören ist – im Bereich zwischen 50 und 55 Dezibel. Die Menschen dort haben auch mit besonders lautem Fluglärm zu kämpfen. 100 Norderstedter sind mit Fluglärm über 65 Dezibel (tagsüber) konfrontiert. Diese Lautstärke wurde dem Bericht zufolge in keinem anderen Ort Schleswig-Holsteins gemessen. Insgesamt sind damit tagsüber nördlich von Hamburg 2260 Wohnungen auf einer Fläche von 11,9 Quadratkilometern betroffen.

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