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Hagenbecks Tierpark : Haie - Killer oder Opfer?

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Die Jäger der Meere wurden zu Gejagten. Haie sind vielen Menschen verhasst und werden schonungslos gejagt. Dabei sind sie ein wichtiger Bestandteil im Ökosystem.

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2010 | 05:07 Uhr

Haie: Als blutgierige Bestien sind sie verhasst, als erbarmungslose Killer gefürchtet. Seit Steven Spielbergs Kinohit "Der Weiße Hai" gelten die Raubfische als das Böse schlechthin. Die tatsächlichen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Nur etwa 100 Haiattacken gibt es weltweit pro Jahr, davon nicht mehr als zehn mit tödlichem Ausgang. Meist wurden solche Angriffe durch die Opfer selbst provoziert: Die Silhouette eines auf seinem Brett paddelnden Surfers erinnert den Hai an eine Robbe, seine bevorzugte Beute.
Haie sind die perfekten Jäger der Meere, von der Evolution geformt in mehr als 400 Millionen Jahren. Ihr torpedoförmiger Körper bietet dem Wasser kaum Widerstand. Die zahnähnlichen Schuppen, die die Haut bedecken, setzen bei schnellem Schwimmen die Reibung herab. Mit Elektrosensoren, den sogenannten Lorenzinischen Ampullen, orientieren sich die Tiere am Magnetfeld der Erde. Geruchssinn und Augen sind extrem empfindlich, und schmecken können Haie nicht nur mit dem Gaumen, sondern mit Rezeptoren auf der gesamten Haut. Die scharfen Zähne wachsen zeitlebens in mehreren Reihen nach und werden somit regelmäßig ersetzt.
Potenzmittel und Delikatesse
Aber allen Tricks der Evolution zum Trotz: Gegen ihren schlimmsten Feind, den Menschen, haben die Raubfische keine Chance. Mehr als 100 Millionen Haie werden jährlich gefangen, und die meisten sterben einen grausamen Tod. Bei lebendigem Leib schneidet man ihnen die knorpeligen Flossen ab, die in China Preise bis zu 150 Dollar je Kilo erzielen. Verkocht zu Haifischflossensuppe gelten sie dort als Potenzmittel und prestigeträchtige Delikatesse. Die noch lebenden, verstümmelten Körper landen wieder im Meer, wo sie kläglich verenden. Auch bei uns heimische Arten, wie der Dorn- und der Heringshai, landen als Schillerlocken oder Fish & Chips auf dem Teller.
Im Hai-Atoll in Hagenbecks Tropenaquarium ziehen die Riffhaie ruhelos ihre Bahnen. Nur in Bewegung strömt Wasser durch ihre Kiemen und versorgt den Körper mit lebenswichtigem Sauerstoff. Etwa 500 Hai-Arten besiedeln die Meere, vom nur 20 Zentimeter langen Zwerg-Laternenhai bis zum riesigen Walhai mit 14 Metern Länge. Manche legen Eier, andere bringen ihre Jungen lebend zur Welt. Aber die Jäger der Meere wurden zu Gejagten. Wenn das Schlachten andauert, werden viele Arten bald ausgerottet sein - geopfert auf dem Altar wirtschaftlicher Interessen und mit schwerwiegenden Folgen für das Ökosystem Meer.


Hagenbecks Tierpark, Tropenaquarium, Lokstedter Grenzstraße 2, 22527 Hamburg, ganzjährig täglich geöffnet von 9 bis 18 Uhr:
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