zur Navigation springen

Hamburg : Haftstrafen für „Eros-Center-Gang“ von St. Pauli

vom

Haftstrafen, Schmerzensgeld, Sozialstunden: Für den Angriff auf einen Türsteher müssen drei Männer ins Gefängnis, einer kommt mit einer Bewährungsstrafe davon.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2016 | 17:22 Uhr

Hamburg | Im Prozess gegen die sogenannte Eros-Center-Gang hat das Hamburger Amtsgericht am Montag alle vier Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt. Bei dem Verfahren ging es um einen Angriff auf einen Türsteher und weitere Gewalttaten auf St. Pauli.

Der Hauptangeklagte erhielt eine Gesamtstrafe von vier Jahren, wie ein Gerichtssprecher sagte. Er soll unter anderem einem Mann mehrere Zähne ausgeschlagen haben. Darum wurde der Angeklagte auch zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 10.000 Euro verurteilt. Ein Mitangeklagter muss für drei Jahre und einen Monat ins Gefängnis, ein weiterer für zwei Jahre und drei Monate. Nur der jüngste der vier Männer kam mit einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren davon. Er muss allerdings 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Seit Anfang Juni verhandelte das Gericht gegen vier mutmaßliche Mitglieder der so genannten Eros-Center-Gruppe, der aktuell dominierenden Kraft im Hamburger Rotlichtmilieu. Die Angeklagten (23 bis 30 Jahre) sollen im Januar am Angriff auf den Türsteher eines Nachtclubs an der Großen Freiheit beteiligt gewesen sein. Eine Überwachungskamera hielt fest, wie ein Täter einem Club-Mitarbeiter in den Fuß schoss. Vorangegangen waren eine handfeste Prügelei und tieffliegendes Mobiliar. Die Türsteher hatten sich geweigert, die fünfköpfige Gruppe einzulassen. Der damalige Schütze ist weiterhin auf der Flucht, er soll im Ausland abgetaucht sein. Die mutmaßlichen Komplizen wurden gefasst, allesamt bullige, im Verfahren schweigsame Muskelpakete.

Im ersten Anlauf war der Prozess Ende Juli vergangenen Jahres geplatzt. Ein Schöffe hatte vertraulichen Kontakt mit einer Verteidigerin aufgenommen und sich in E-Mails angebiedert. Daraufhin hatte das Gericht einem Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben.

Das Laufhaus Eros Center an der Reeperbahn galt stets als größtes Freudenhaus im Hamburger Rotlichtviertel. Wer das Etablissement beherrscht, so ein ungeschriebenes Gesetz auf dem Kiez, ist der „Pate von St. Pauli“. Nach drei Steuerrazzien war das Großbordell (80 Zimmer) im März geschlossen worden. Inzwischen hat es unter dem Namen „Pink Palace“ neu eröffnet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen