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30C3 : Hackertreffen im Zeichen der Snowden-Enthüllungen

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Tausende Computerexperten und Internetaktivisten treffen sich in Hamburg. Ein Thema beherrscht ihren Kongress: Wie reagiert die Szene auf Berichte über die allumfassende Überwachung durch Geheimdienste?

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 17:36 Uhr

Hamburg | Internet-Aktivisten und Computer-Experten haben ihr 30. Jahrestreffen Chaos Communication Congress (CCC) mit einem Aufruf zum Widerstand gegen staatliche Überwachung begonnen. „Wir sind aus einem Alptraum aufgewacht in eine Realität, die noch schlimmer ist“, sagte Auftaktredner Tim Pritlove am Freitag. „Wir müssen das Internet neu erfinden, wir müssen das Internet neu denken.“ Der Lebensraum der Szene werde durch die Überwachung wie durch ein Gift bedroht.

Pritlove rief die versammelten Hacker in dem vollbesetzten Saal im Congress Centrum Hamburg auf, sich gegen ausufernde Überwachung zu wehren. Die Geschwindigkeit, mit der sich die digitale Überwachung verbreite, müsse verlangsamt werden, sagte er. „Habt Spaß und rettet die Welt“, rief er den Teilnehmern zu. Bis Montag erwarten die Teilnehmer des Kongresses dutzende Vorträge, Projekte und Präsentationen. Dabei werden die NSA-Enthüllungen immer wieder eine Rolle spielen.

So nahm der Linguistik-Professor Martin Haase die Versuche deutscher Politiker aufs Korn, die Tragweite der Enthüllungen kleinzureden. Besonders die Aussagen des damalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla, die NSA-Affäre sei beendet, nahm er unter den Lachern der Zuhörer auseinander.

Zudem sind mehrere Redner direkt an den Enthüllungen beteiligt, die Hauptrede am Eröffnungstag hielt am Abend der Journalist Glenn Greenwald per Videoschaltung. Er war einer der ersten Reporter, denen der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden Dokumente über die zuvor streng geheime Arbeit des US-Dienstes NSA und anderer Geheimdienste übergab. Greenwald ist überzeugt, dass der Kampf um die Privatsphäre nach den Enthüllungen über Geheimdienst-Spionage vor allem über Technologie ausgefochten werden wird. Er habe wenig Hoffnung, dass der US-Kongress dem Geheimdienst NSA wirksame politische Grenzen setzen werde.

„Ich denke, es ist möglich, dass die Gerichte einige wirksame Einschränkungen durchsetzen werden“, erklärte er per Videoübertragung aus Rio de Janeiro. Die größte Hoffnung setze er allerdings auf Computerexperten und Hacker wie die Teilnehmer des CCC. „Letztlich wird der Kampf über die Freiheit des Internets vor allem auf dem Schlachtfeld der Technologie geführt werden. Die NSA weiß das“, sagte Greenwald. Er rief die Hacker auf, sich für den Schutz der Privatsphäre einzusetzen. Gleichzeitig kündigte er eine Fortsetzung der Enthüllungen an: „Es wird noch viele weitere Berichte geben.“

Die Organisatoren des Treffens erwarten bis zu 8000 Teilnehmer. Das sei etwa ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr, sagte Frank Rieger vom CCC vor Beginn der viertägigen Veranstaltung in Hamburg. „Der Snowden-Faktor spielt da schon eine Rolle.“ Der CCC warnt seit Jahren vor ausufernder staatlicher Überwachung und schwindendem Datenschutz. Das Thema sei inzwischen auch in der breiten Bevölkerung angekommen. Pritlove kritisierte jedoch halb scherzhaft, dass die Warnungen der Netzaktivisten immer noch nicht ernst genommen würden.

Auf dem Kongress steht die Hackerszene auch vor der Frage, wie sie politisch und technisch auf die Erkenntnisse aus den Snowden-Dokumenten reagieren will. In mehreren Vorträgen soll es um Gegenmaßnahmen wie Verschlüsselung und Anonymisierung gehen. Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, soll per Video auftreten. Der Kongress ist gleichzeitig das Jubiläumstreffen des Clubs, er findet dieses Jahr zum 30. Mal statt. „Die Themen, um die es hier geht, werden immer wichtiger für die Gesellschaft“, sagte Rieger. Auch daher sei das Interesse gestiegen. Viele Teilnehmer nennen das Treffen „30C3“, das Kürzel steht für den 30. Chaos Communication Congress, so der offizielle Titel.

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