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Altes Land : Greenpeace: Boden und Wasser von Apfelplantagen mit Pestizid belastet

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Bei Stichproben im Boden und Wasser von Plantagen hat Greenpeace Gift-Rückstände gefunden, darunter das verbotene DDT.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2015 | 08:31 Uhr

Hamburg | In Boden- und Wasserproben aus Apfelanbaugebieten in Deutschland und elf anderen europäischen Ländern hat Greenpeace Pestizidrückstände gefunden. Die zehn deutschen Proben stammen nach Angaben der Umweltschutzorganisation aus dem Alten Land an der Elbe bei Hamburg. Sieben von ihnen seien belastet gewesen.

Das Alte Land an der Elbe bei Hamburg ist für seinen Obstanbau, insbesondere für Äpfel bekannt. Seit dem 14. Jahrhundert ist die Tradition des Anbaus dokumentiert. Heute reifen auf 10.700 Hektar Äpfel, Kirschen, Birnen und anderes Obst. 77 Prozent der Obstbäume im Alten Land sind Äpfel und 12,7 Prozent Kirschen.

Unter den festgestellten Chemikalien seien das längst verbotene DDT, das für Regenwürmer giftige Fungizid Carbendazim und das Insektizid Imidacloprid, das Bienen schade. „Die industrielle Apfelproduktion setzt nach wie vor gefährliche Pestizide ein, die Umwelt und Verbraucher schädigen können“, schlussfolgerte der Landwirtschaftsexperte von Greenpeace, Dirk Zimmermann.

Im europäischen Vergleich stehe Deutschland dabei allerdings nicht an vorderster Stelle: Am meisten Pestizide seien in Bodenproben aus Italien, Belgien und Frankreich sowie in Wasserproben aus Polen, der Slowakei und Italien gefunden worden. Insgesamt wurden im April 36 Wasser- und 49 Bodenproben genomen. Zimmermann forderte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) auf, gefährliche Chemie in der Produktion von Lebensmitteln zu verbieten.

Die Obstbauern im Alten Land hielten sich an das deutsche Pflanzenschutzrecht, betonte der Leiter der Obstbauversuchsanstalt in Jork, Karsten Klopp. „Uns ist keine Fehlanwendung oder Missbrauch von Pestiziden bekannt.“ Der Stoff DDT sei seit vielen Jahren verboten und darum gar kein Thema. Pflanzenschutz bedeute, die Pflanze und die Frucht vor schädlichen Pilzen und Insekten zu schützen. „Das tun wir auf höchstem Niveau“, versicherte Klopp. Der Obstanbau werde dauernd kontrolliert, etwa vom niedersächsischen Landesamt für Lebensmittelsicherheit. „Wir haben die geringsten Rückstände.“

Carbendazim Gegen Pilzbefall (Fungizid) Es liegen laut dem Institut für Arbeitsschutz keine Berichte über durch Carbendazim verursachte Schädigungen beim Menschen vor.  In Tierversuchen wurde das Risiko einer eingeschränkten Fruchtbarkeit entdeckt.
Imidacloprid Gegen Insektenbefall (Insektizid) Das Gift setzt sich an die Stelle eines Neurotransmitters an die Nervenzellen. Durch den ausgelösten Dauerreiz wird die chemische Signalübertragung gestört. Für Säugetiere ist die Giftigkeit gering. Es kann jedoch eine Gefahr für Vögel und Fische werden. Die Gefährlichkeit von Imidacloprid für Honigbienen ist stark umstritten. Viele Imker machen Imidacloprid für die in den letzten Jahren aufgetretenen schweren Schäden an ihren Bienenvölkern verantwortlich.
DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) Gegen Insektenbefall (Insektizid) Im Laufe der Zeit wurde festgestellt, dass DDT und einige seiner Abbauprodukte hormonähnliche Wirkungen zeigen. Greifvögel legten Eier mit dünneren Schalen, was zu erheblichen Bestandseinbrüchen führte. DDT geriet unter Verdacht, beim Menschen Krebs auslösen zu können. Aus diesen Gründen wurde die Verwendung von DDT von den meisten westlichen Industrieländern in den 1970er-Jahren verboten.

Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sei immer eine Abwägungssache, sagte Steffen Matezki vom Umweltbundesamt. „Es gibt kein unschädliches Pestizid.“ Wie ein Arzneimittel habe jedes chemische Pflanzenschutzmittel Nebenwirkungen auf andere Organismen.

Für den Einsatz von Imidacloprid gälten seit zwei Jahren EU-weit starke Einschränkungen. Auch Carbendazim dürfe nur unter strengen Auflagen eingesetzt werden. Mit ihrem Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln versuche die Bundesregierung, alternative Methoden zur Schädlingsbekämpfung zu fördern, sagte Matezki.

Die Belastung von Äpfeln im Supermarkt liege zwar meist unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte, erklärte Greenpeace. Doch das reiche nicht. „Gefährliche Pestizide gehören auch nicht auf den Acker.“ Greenpeace räumte ein, dass einige der gefundenen Gifte mittlerweile verboten seien. 20 der insgesamt 53 nachgewiesenen Stoffe seien extrem beständig und ließen sich noch Jahrzehnte nach ihrem Einsatz in der Umwelt finden. Nur in wenigen Fällen gebe es Grenzwerte. Für sechs der Proben habe es gesetzliche Höchstwerte für die gefundenen Stoffe gegeben, in fünf Fällen seien diese überschritten worden.

In ihrem Report mit dem Titel „Der bittere Beigeschmack der europäischen Apfelproduktion“ plädiert die Umweltschutzorganisation für natürliche Methoden der Schädlingskontrolle. Öko-Landwirte kombinierten den Apfelanbau mit unterschiedlichen Ackerfrüchten in unmittelbarer Nähe und anderen Pflanzen in den Plantagen. Sie achteten auf sogenannte Nützlinge, gesunde Böden und standortangepasste robuste Sorten.

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