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JVA Hahnöfersand Hamburg : Gewalt im Gefängnis – sieben Männer vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Er wurde als „20-Cent-Killer“ bekannt. Berhan I. soll mit Komplizen einen Mithäftling bedroht und misshandelt haben.

Hamburg | Als „20-Cent-Killer“ von Harburg erlangte er traurige Bekanntheit. Doch noch während er seine Haftstrafe absitzt, muss Berhan I. erneut auf die Anklagebank. Der 21-Jährige soll gemeinsam mit anderen jungen Männern in der Jugendhaftanstalt Hahnöfersand einen Mitgefangenen schwer misshandelt haben. Am Montag begann vor dem Landgericht der Prozess gegen die sieben Angeklagten im Alter zwischen 19 und 24 Jahren. Die Hauptvorwürfe lauten räuberische Erpressung, Nötigung und gefährliche Körperverletzung.

Stimmt, was die Staatsanwaltschaft den Männern zur Last legt, haben sie ihr 23-jähriges Opfer im April dieses Jahres über Tage terrorisiert und misshandelt. Höhepunkt der mutmaßlichen Gewaltorgie war demnach ein Überfall auf den Mithäftling in dessen Zelle. Dabei soll die Gruppe um Berhan I. ihm ein 24 Zentimeter langes „V“ in den Rücken geritzt haben – „V“ für Verräter. I. sitzt seit Dezember 2010 wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Jugendhaft. Mit einem Kumpel hatte er in Harburg einen 44-Jährigen angebettelt. Als dieser ihnen 20 Cent aushändigte, prügelten sie ihn nieder.

Laut Anklageschrift hatten I. und seine mutmaßlichen Mitttäter von dem Mithäftling unter Gewaltanwendung und Todesdrohungen verlangt, Haschisch und ein Handy ins Gefängnis zu schmuggeln und der Bande Tabak zu beschaffen. Angeblich drohte der 21-Jährige: „Ich habe schon jemanden wegen 20 Cent umgebracht, ich würde das auch wegen Tabak machen.“

Alle Beteiligten gehörten zu einer zwölfköpfigen Wohngruppe von Strafgefangenen, wie sie in der Jugend-JVA üblich sind. Laut Staatsanwaltschaft hegten die Angeklagten den Verdacht, bei ihrem Mithäftling handele es sich um einen V-Mann der Behörden. Berhan I. soll ihm daher gedroht haben, ihn zu töten, sollte sich dies bestätigen.

Kurz darauf sollen drei der Angeklagten den 23-Jährigen in dessen Zelle geschlagen und wieder gedroht haben, er müsse sterben, sollte er gegen einen der anderen Angeklagten aussagen. Tags darauf, so die Anklage, hätten die drei ihr Opfer mit einer Suppenkelle bewusstlos geschlagen. Dem am Boden Liegenden sollen sie dann mit einem scharfen Gegenstand ein „V“ in die Haut geschnitten haben. Der Angegriffene erlitt unter anderem eine Gehirnerschütterung ersten Grades sowie eine Milzblutung.

Die Justizbehörde spricht von einem „erschütternden Einzelfall“. Als Konsequenz aus den Vorfällen werde in der Jugendanstalt inzwischen der Kraftraum überwacht, Besucher würden strenger auf Schmuggelware untersucht.

Das Opfer der Attacken ist abgetaucht. Nach Angaben seiner Rechtsanwältin war er nach der Haftentlassung zweimal von unbekannten Angreifern überfallen worden. Die hätten gedroht, er solle „aufpassen, was er sagt“.

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erstellt am 25.Aug.2014 | 13:13 Uhr

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