Hamburg-Finkenwerder : Gericht entzieht Mutter von misshandeltem Baby Sorgerecht

Er wurde fast totgeschlagen – und liegt nach Wochen noch immer im Krankenhaus. Jetzt entschied ein Gericht: Der misshandelte Säugling von Hamburg-Finkenwerder soll nicht zurück in seine Familie.

shz.de von
29. Mai 2015, 13:37 Uhr

Hamburg | Das misshandelte Baby aus Hamburg-Finkenwerder liegt noch immer im Krankenhaus – und auch nach seiner Genesung wird es wohl vorerst nicht zu seiner Mutter zurückkehren. Nach der schweren Misshandlung durch seinen Vater hat ein Familiengericht der Mutter das Sorgerecht entzogen.

Das Gericht hat am 21. Mai entschieden, die Erziehungsfähigkeit der 30-Jährigen von einem Gutachter prüfen zu lassen, sagte ein Sprecher des Bezirksamts Hamburg-Mitte am Freitag. Sollte sie für erziehungsfähig erklärt werden, würde langfristig auch eine Rückgabe des Kindes in die Obhut der Mutter in Frage kommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der drei Monate alte Säugling wurde Ende April mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Der Vater soll das Kind misshandelt haben. Der 26-Jährige sitzt wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft.

Das „Hamburger Abendblatt“ berichtete unter Berufung auf Angaben aus dem Umfeld des UKE, nach den Schlägen an den Kopf des Kindes deute derzeit nichts auf bleibende körperliche Schäden hin. „Es scheint auf dem Wege der Besserung zu sein“, sagte der Sprecher. Nach einer Entlassung aus dem Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) würde das Baby zunächst in eine Pflegefamilie gegeben werden.

Das Hamburger Jugendamt steht immer wieder in der Kritik. Mehrere Mädchen sind seit 2004 in Hamburg qualvoll ums Leben gekommen, weil ihre Eltern sie vernachlässigten oder misshandelten. Hamburg hat immer wieder Bestimmungen verschärft, um Familiendramen zu verhindern. Die CDU-Bürgerschaftsfraktion hat das Bezirksamt Mitte kritisiert, nachdem der Säugling ins Krankenhaus kam. Wieso sei das Jugendamt nicht sofort eingeschnitten, nachdem es über mehrere Polizeieinsätze in der elterlichen Wohnung informiert worden sei, fragte der Familienpolitiker Philipp Heißner.

Die Zahl der misshandelten Jungen und Mädchen nahm 2014 deutschlandweit zu. Gemeldet wurden 4233 Fälle und damit fast fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. BKA-Präsident Holger Münch sagte: „Täglich wurden fast 50 Kinder misshandelt oder sexuell missbraucht. Und das sind nur die bekannt gewordenen Fälle.“

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