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Zu wenig Besucher : Gartenschau blüht Millionenverlust

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Nur halb so viele Menschen wie erwartet kommen auf die Elbinsel Wilhelmsburg. Rabattaktionen sollen nun mehr Besucher anlocken.

Hamburg | Ab sofort sind die Dahlien die Stars. Bei der Internationalen Gartenschau (IGS) in Hamburg-Wilhelmsburg entfalten die eleganten Korbblütler in diesen Tagen ihre Pracht in allen erdenklichen Farben. Dazu lacht die Sonne vom Himmel über der Elbinsel, das Thermometer zeigt seit Wochen Sommer. Alles könnte so schön sein bei der floralen Großveranstaltung, und doch sind die Macher höchst betrübt. Denn finanziell kommt die IGS nicht auf den grünen Zweig. Hamburgs Steuerzahlern blüht ein finanzielles Fiasko, weil viel zu wenige Besucher kommen.
"Schon jetzt lässt sich ein zweistelliges Millionendefizit nicht mehr verhindern", unkt der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Klaus-Peter Hesse. Tatsächlich liegen die Besucherzahlen weit unter den Erwartungen. Rund 14.000 zahlende Kunden pro Tag wären für eine kostendeckende Veranstaltung nötig, bisher liegt der Tagesdurchschnitt nur bei der Hälfte. Laut städtischer Kalkulation müsste das sechsmonatige Blumenspektakel 2,5 Millionen Besucher anlocken, um die Ausgaben-Kosten von rund 50 Millionen Euro wieder reinzuholen. Zur Halbzeit vor zwei Wochen hatten erst 550 000 die Eingangstore passiert. Das sei "sicherlich nicht das erhoffte Ergebnis", gesteht IGS-Geschäftsführer Heiner Baumgarten, übt sich aber in Zweckoptimismus und spricht von einem "starken Aufwärtstrend". An Spitzentagen in den Ferien sei zeitweise tatsächlich 14000 Gartenfreunde empfangen worden.

21 Euro kostet das reguläre Tagesticket

Als Hauptursache der Misere gelten Kritikern nicht etwa die Inhalte der Gartenschau, sondern die hohen Eintrittspreise. Hesse: "Spätestens seit der Expo 2000 in Hannover ist bekannt, dass der Erfolg mehrmonatiger Großveranstaltungen in Deutschland im Wesentlichen von der Höhe der festgelegten Preise abhängt." 21 Euro kostet das reguläre Tagesticket (ermäßig: 17 Euro) bei der Hamburger IGS, Kinder ab sechs Jahren zahlen 6 Euro. Die Fahrt in der Monorailbahn kommt noch oben drauf (7,50 Euro). "Das ist viel zu teuer", stöhnt Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan. "Ich bin mir sicher, dass bei einem zivileren Eintrittspreis von 15 Euro mehr Menschen die IGS besuchen würden." Auch CDU und Linke fordern vom Senat eine sofortige und deutliche Senkung der Preise, um zu retten, was noch zu retten ist. Die FDP verlangt zudem eine bessere Vermarktung der Show durch die zuständigen Stellen.
Trotz der negativen Zwischenbilanz lehnt Umweltsenatorin Jutta Blankau (SPD) eine generelle Verbilligung bei Normaltickets entschieden ab. Das, so ihr Hauptargument, wäre ungerecht all jenen gegenüber, die für ihren Besuch 21 Euro bezahlt haben. Und überhaupt: Ob es ein Defizit gebe und wenn ja, in welcher Höhe, lasse sich erst nach Abschluss am 13. Oktober beziffern.
Dennoch hat das drohende Millionenloch hektische Betriebsamkeit bei den Verantwortlichen ausgelöst. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Rabattaktion. Seit Beginn der Sommerferien etwa dürfen Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre montags gratis aufs Gelände. Vier Wochen später kam eine "Halbzeitdauerkarte" für 50 Euro auf den Markt. Und erst gestern entschieden die Organisatoren, dass HVV-Zeitkarten-Inhaber ab sofort zehn Prozent beim Tages-Eintritt sparen.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 10:39 Uhr

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