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Hauptstadt der Computerspiele : Gamecity Hamburg – „Der Mix macht’s“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Projekt „Gamecity Hamburg“ unterstützt seit 13 Jahren die Computerspielbranche in der Hansestadt – und muss sich jetzt für die Zukunft wappnen.

von
erstellt am 11.Apr.2015 | 18:40 Uhr

Ein Saal voller blasser, junger Männer, die Energy-Getränke trinken und während der Vorträge auf ihren Smartphones herumspielen – so könnte es aussehen, wenn Akteure der Computerspielindustrie aufeinandertreffen. Doch zumindest auf der Games Conference in dieser Woche in Hamburg trifft das so nicht ganz zu. Hier wird deutlich: In der weiter wachsenden Computerspiel-Branche geht es um Vermarktung, Strategien – und um Geld.

In den letzten 13 Jahren hat sich Hamburg als der deutsche Standort für die Spieleindustrie etabliert. Nicht zuletzt durch die Unterstützung der Initiative Gamecity Hamburg hat es dieser oft belächelte Bereich der Medienbranche zu einem beachteten Teil der dortigen Medienlandschaft gebracht. „Es kam aber nicht der Wunsch nach Geld“, erzählt Stefan Klein, Projektmanager der Gamecity. „Es ging um Dinge, die wir einfach organisieren konnten.“ Alles begann mit der Absicht der Gamer, auf Messen auszustellen. Dafür brauchte es einen Messestand.

„Wir haben erst lernen müssen, wie die Branche funktioniert“, erinnert sich Klein. Heute bezeichnet er seine Initiative als eine Art „Kümmerer“ für die Gamesindustrie, der durch die Vermittlung von Kontakten vieles möglich macht.

Ein großer Vorteil des Stadtstaats sei der Mix der ansässigen Medienunternehmen: Tonstudios, Grafiker, Marketingleute, auch Internetriesen wie Google oder Facebook seien vor Ort zu finden – und alle dicht beieinander, erklärt Klein. „Der Mix macht’s.“

Zudem sei man mit der Entscheidung, der Spielebranche unter die Arme zu greifen, sehr früh gewesen, sagt Klein: „Hamburg war das erste Bundesland, das sich zu der Branche bekannt hat.“ Das habe sich auch bei Veränderungen der politischen Landschaft in der Hansestadt nicht geändert. Ebensowenig durch den Verruf, in den die Branche geriet, als Computerspiele mehrfach für Amokläufe Jugendlicher mitverantwortlich gemacht wurden. „Selbst zu diesem Zeitpunkt haben wir unsere Arbeit gut fortsetzen können“, erinnert sich Klein. „In guten wie in schlechten Zeiten.“

Doch trotz schwieriger Zeiten wächst das Geschäft mit dem digitalen Spielespaß: Im ersten Halbjahr 2014 wurden für Computer- und Videospielsoftware deutschlandweit 798 Milliarden Euro ausgegeben.

Als Paradebeispiel unter den 151 Hamburger Firmen nennt Klein das Entwicklerstudio Goodgame: Ende März bekannt gegebene Zahlen weisen einen Umsatz in Höhe von 202,09 Millionen Euro aus – ein Wachstum von 97 Prozent gegenüber 2013. Innerhalb eines Jahres stellte der Entwickler für browserbasierte und mobile Spiele rund 600 Mitarbeiter ein, 2015 sollen 400 Neueinstellungen folgen. Insgesamt sollen dann 1600 Mitarbeiter dort beschäftigt sein.

Längst geht es nicht allen Firmen so, weiß Klein. Doch von Erfolgsgeschichten wie dieser lassen sich junge Leute möglicherweise animieren, einen ähnlichen Weg einzuschlagen. „Es gibt so viel Nachwuchs wie nie“, sagt Carsten Fichtelmann. Und es werde immer schwerer für Einsteiger, Fuß zu fassen, sagt der Mitbegründer des Entwicklerstudios und Spieleproduzenten Daedalic. Durch die Konkurrenz werde es schwieriger, eine der begehrten Förderungen einzustreichen. Fichtelmann selbst hatte in den Jahren 2007 und 2008 die „Prototypenförderung“ in Höhe von 100.000 Euro mit nach Hause nehmen können – ein zinsloses Darlehen, das ihm beim Start sehr geholfen habe. Doch: „Andere Städte holen auf.“ Hamburg sei in Sachen Akzeptanz und Förderung der Branche europaweit etwas Besonderes gewesen, doch auch andere hätten das Potenzial der Industrie erkannt. So stellt Bayern für den Bereich Games jährlich Fördermittel in Höhe von 470.000 Euro zur Verfügung, Nordrhein-Westfalen unterstützt Projekte mit bis zu 100.000 Euro – wie dies bei der „Prototypenförderung“ bis zum Jahr 2012 der Fall war.

Doch die Branche ist im Wandel, das wird auch auf der Hamburg Games Conference deutlich: Man müsse sich auf die Spieler einstellen, die nicht nur am PC, sondern auch mobil zocken wollten, erklärt Klein. Es gebe einen Wandel von browserbasierten hin zu mobilen Spielen. Eine große Herausforderung für die Entwickler, die die Spiele für alle Geräte kompatibel gestalten müssten – inhaltlich und grafisch. „Man sieht viele, die auf dem Weg zur Arbeit in der S-Bahn auf ihr Smartphone gucken“, sagt Klein und fügt augenzwinkernd hinzu: „Nicht alle lesen dort Nachrichten.“

> http://www.gamecity-hamburg.de

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