Initiative in Hamburg : G8 oder G9? Schulexperten mahnen

Acht oder neun Jahre bis zum Abitur? Der Streit darüber hört nicht auf.
Acht oder neun Jahre bis zum Abitur? Der Streit darüber hört nicht auf.

Vor zehn Jahren wurde in vielen Bundesländern die Schulzeit im Gymnasium verkürzt - die Umstellung war anstrengend für Lehrer und Schüler. Nicht nur in Hamburg fordern Elternitiativen die Rückkehr zu G9.

shz.de von
09. Juni 2014, 12:34 Uhr

Hamburg | Im Streit um die Schulzeitverkürzung im Gymnasium haben namhafte Erziehungswissenschaftler und Ex-Bildungsminister zu mehr Sachlichkeit gemahnt. Eine Rückentwicklung zum neunjährigen Gymnasium (G9) würde den Schulen erneut eine ähnliche Anstrengung abverlangen wie bei der jetzt fast in allen Ländern vollzogenen Umstellung auf einen achtjährigen Bildungsgang bis zum Abitur, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Aufruf. Dies würde auf Kosten von Unterricht und Schulleben gehen.Gleichzeitig entstünden auf Dauer in den Ländern unterschiedlich strukturierte Gymnasien, was die Mobilität innerhalb der Bundesrepublik weiter erschweren würde.

In fast allen West-Bundesländern setzen sich derzeit Elterninitiativen vehement für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ein. Beklagt wird von den Initiatoren eine Überanstrengung der Kinder, lange Unterrichtszeiten und das Fehlen von individueller Freizeit für musische, sportliche und soziale Aktivitäten außerhalb der Schule. In Hamburg hat die Initiative „G9-Jetzt-HH“ einen Antrag auf ein Volksbegehren gestellt, das am 18. September beginnen soll. Als erstes Bundesland will Niedersachsen zum neunjährigen Gymnasium als Regelform zurückkehren. In Hessen besteht inzwischen weitgehend Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Als einziges Bundesland hatte Rheinland-Pfalz die Schulzeitverkürzung damals nicht mitgemacht.

In Schleswig-Holstein machen die Schüler nach acht Jahren Abitur. Für elf Gymnasien im Land besteht Bestandsschutz für G9. Vier Schulen sind Y-Gymnasien. Das Y im Namen symbolisiert zwei Wege zum Abitur an einer Schule - nach acht oder nach neun Jahren. Zurzeit ist laut Bildungsministerium an vier von 99 Gymnasien in Schleswig-Holstein diese Wahlfreiheit möglich - und zwar am Thor-Heyerdahl-Gymnasium in Kiel, am Elsensee-Gymnasium in Quickborn, am Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium in Barmstedt und am Bernstorff-Gymnasium in Satrup.

„Die Debatte ist emotional aufgeladen, von Schuldzuweisungen geprägt und nicht immer sachlich“, heißt es in dem Aufruf der Schulexperten. Die Unterzeichner bitten die Kultusministerkonferenz (KMK) um Prüfung, ob nicht die notwendigen bundesweiten Pflicht-Unterrichtsstunden bis zum Abitur von 265 auf 260 gesenkt werden können. Dies würde bei den verkürzten achtjährigen gymnasialen Bildungsgängen vor allem den Umfang der Stundenzahl in der Mittelstufe reduzieren und weniger Nachmittagsunterricht erfordern.

Der Aufruf ist unter anderem von den Bildungsforschern Hermann Avenarius, Jürgen Baumert, Ludwig Huber, Klaus Klemm, Anand Pant, Manfred Prenzel und Klaus-Jürgen Tillmann unterzeichnet sowie von den Ex-Ministern Jan Hendrik Olbertz (Sachsen-Anhalt), Eva Maria Stange (Sachsen), Sybille Volkholz und Jürgen Zöllner (beide Berlin). Der Appell an die KMK trägt zudem die Unterschrift von BDA-Präsident Ingo Kramer und GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann.

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