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Hamburg : Fritz Baltruweit - ein Liedermacher beim Kirchentag

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Pastor Fritz Baltruweit ist Kirchentag - und das schon seit Jahrzehnten. Auch in Hamburg singt der Liedermacher.

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erstellt am 02.Mai.2013 | 03:48 Uhr

Hamburg/Hannover | Er ist der Mann mit der Gitarre. Wenn abends die Besucher des Deutschen Evangelischen Kirchentags zum Nachtgebet mit Kerzen vor einer Bühne stehen, stimmt der Hannoversche Pastor Fritz Baltruweit die Lieder an. "Gott gab uns Atem, damit wir leben" oder auch "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" - einige der bekanntesten Kirchentagslieder stammen aus seiner Feder. Fritz Baltruweit ist Kirchentag, und das schon seit Jahrzehnten.

"Rechnet man alle Kirchentage zusammen, an denen ich teilgenommen habe, ist das jetzt der 25. - die DDR-Kirchentage eingeschlossen", sagt Baltruweit. 1977 in Berlin hat er erstmals als junger Liederdichter ein Christentreffen begleitet. "Damals hatten wir ein Konzert im Sommergarten unter dem Berliner Funkturm, und einen Auftritt in der Deutschlandhalle", erinnert sich der Mann mit der weißen Künstlerfrisur. Und eines seiner Lieder von damals, "Wo ein Mensch vertrauen gibt", hat es heute in unzählige kirchliche Gesangbücher geschafft. Denn bei Kirchentagen wird viel gesungen: Zu Beginn der morgendlichen Bibelarbeiten, bei Gottesdiensten und Andachten oder beim "Offenen Singen".

"Jede Kirche braucht Lieder!"

Und die eingängigen, einfach zu singenden Lieder des Christentreffens nehmen Pfarrer und Ehrenamtliche dann gerne mit in ihre heimatlichen Gottesdienste. "Es braucht eben in der Kirche auch Lieder, die jeder singen kann", sagt Baltruweit. Seine Lieder erinnern eher an deutschen Schlager oder an Liedermacher wie Reinhard May. "Viele engagierte Kirchenmitglieder hören privat keine Klassik", sagt Baltruweit. "Aber für diese Menschen viel zu wenig gemacht." Baltruweit ist da das personifizierte Gegenprogramm - und hat sich damit durchgesetzt.

Selbst bei den Vollversammlungen des Lutherischen Weltbundes, der weltweiten Dachorganisation lutherischer Christen, stand Fritz Baltruweit für die liturgische Ausgestaltung der Gottesdienste. Und auch hinter dem Eisernen Vorhang trat er auf: Als in den 1980er Jahren in der DDR die Kirchentage zum Sammelbecken der Bürgerrechtsbewegung wurden, waren auch Fritz Baltruweit und seine Studiogruppe zu Gast bei den Christentreffen. "Ich erinnere mich noch an Wittenberg, wo die Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet wurden", sagt Baltruweit. Doch damit dieser kirchenhistorische Moment zu Stande kommen konnte, brauchte es die Hilfe der Musiker aus dem Westen. "Wir waren damals kurzfristig für Gerhard Schöne eingesprungen, und hatten unsere Instrumente in einem VW-Bus dabei", berichtet der 57-Jährige.

Größere Bandbreite an Musik

Auch in Hamburg ist Baltruweit wieder im Großeinsatz: Sechs Auftritte hat er in den fünf Tagen. "Es fasziniert mich immer wieder, welche Klänge sich entwickeln, wenn Tausend oder Fünftausend Menschen gemeinsam singen", sagt Baltruweit. So etwas gebe es nur beim Kirchentag. "Und manchmal wird man von der Schönheit fast besoffen, wenn eine ganze Messehalle singt und akustisch fast schon abhebt."

Das Liedgut der Kirchentage habe sich verändert: Auch in den 70er Jahren gab es neue Lieder - heute aber wird bei Kirchentagen auch gerappt, und im Liederbuch gibt es sogar einen Shanty. "Die Bandbreite ist größer geworden", sagt Baltruweit. Nur der Pastor aus Hannover blieb eine Konstante im Programm des Kirchentags. "Ich stehe vermutlich wirklich dafür, dass man Singen kann, wenn ich dabei bin."

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