Prozess in Missoula : Friseurinnen bestätigen Morddrohung vor Schüssen auf Diren

Statsanwältin Jennifer Clark (Mitte l) zeigt bei Hauptverhandlung am 04.12.2014 im Gerichtssaal in Missoula im US-Staat Montana auf einem Monitor Bilder aus der Tatnacht.
Statsanwältin Jennifer Clark (Mitte links) zeigt bei Hauptverhandlung am 04.12.2014 im Gerichtssaal in Missoula im US-Staat Montana auf einem Monitor Bilder aus der Tatnacht.

Es war Notwehr, beharrt der Mann, der in Montana den Hamburger Austauschschüler Diren erschoss. Mehrere Zeuginnen sagen nun gegen ihn aus.

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05. Dezember 2014, 11:34 Uhr

Missoula | Im Prozess um den im US-Bundesstaat Montana erschossenen Hamburger Austauschschüler Diren haben mehrere Friseusen die Morddrohungen des Angeklagten bestätigt. Nach zwei Einbrüchen habe er nur Tage vor den tödlichen Schüssen gegenüber den Frauen gesagt, dass er „ein paar Jugendliche abknallen“ wolle.

„Er war total laut und wütend“, sagte eine der Frauen. „Er sagte, er habe drei Nächte nicht geschlafen, weil er mit einer Schrotflinte auf der Lauer liege, um ein paar Kids zu töten.“ Sie habe dem keine große Bedeutung beigemessen und alles für Gerede gehalten. „Er sagte dann aber: Ich mache keine Witze. Ihr werdet das in den Nachrichten sehen.“ Vier Tage später erschoss der Mann Diren, der in seine offene Garage eingedrungen war.

Der Mann spricht von Notwehr, die Anklage wirft ihm aber Mord vor. Er soll Dieben eine Falle gestellt und Diren dann ohne Bedrohung erschossen haben. Was Diren in der Garage wollte, ist nach wie vor unklar. „Er machte auf mich keinen ängstlichen Eindruck. Er war einfach wütend“, sagte die dritte Friseuse. Im Wesentlichen deckten sich die Aussagen der drei Frauen, die an dem Abend in dem Friseursalon waren, als eine von ihnen dem damals 29-Jährigen die Haare schnitt.

Fragen und Antworten zum Fall Diren:

Worum geht es in dem Prozess?

Am 27. April, kurz nach Mitternacht, drang der Hamburger Austauschschüler Diren in eine offene, aber fremde Garage in der Stadt Missoula in Montana ein. Er wurde vom Besitzer überrascht, der viermal auf den 17-Jährigen schoss. Zwei Schüsse trafen Diren, er starb wenig später im Krankenhaus.

Was wirft man dem Schützen vor?

Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Mordes angeklagt, weil er nach zwei Einbrüchen Selbstjustiz begangen habe. Er habe Dieben eine Falle gestellt und nicht die Polizei gerufen, sondern sofort geschossen.

Was ist die Version der Verteidigung?

Der Mann behauptet, er habe sich, seine Lebensgefährtin und den nicht einmal ein Jahr alten Sohn in Gefahr gewähnt. Als er in der dunklen Garage eine plötzliche Bewegung bemerkte und einen metallischen Klang hörte, habe er aus Angst geschossen.

Wer entscheidet über das Schicksal des 30-Jährigen?

Acht Frauen und vier Männer sind die Geschworenen. Sie wurden am Montag und Dienstag aus einer großen Gruppe von Bürgern aus der Umgebung sorgfältig ausgewählt, um eine Jury zu bilden, die nicht voreingenommen ist. Die Geschworenen entscheiden ganz allein über Schuld und Unschuld. Der Richter legt später nur das Strafmaß fest.

Was droht dem Angeklagten?

Sollte er für schuldig befunden werden, kann er rein theoretisch zum Tode verurteilt werden. Diese Strafe wird in Montana aber nur sehr selten und bei besonders grausamen Verbrechen verhängt. Wahrscheinlicher wäre eine lange Haftstrafe, möglicherweise von bis zu 99 Jahren. Die Verteidigung fordert jedoch Freispruch, der Angeklagte hat sich auch als nicht schuldig bekannt.

Wie sind die Aussichten?

Eine Prognose ist kaum möglich, weil beide Parteien gute Argumente haben, mit denen sie die Geschworenen überzeugen wollen. Zudem muss die Anklage die Geschworenen überzeugen - im Zweifel muss der Angeklagte freigesprochen werden. Die wichtigsten Kronzeugen waren drei Friseurinnen, die behaupteten, dass der Mann, ihr Kunde, die Tat vier Tage vor den tödlichen Schüssen angekündigt habe. Die Verteidigung will aber noch eine Reihe von Sachverständigen aufrufen. Ein Urteil soll in etwa zwei Wochen fallen.

 
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