Prozess in Hamburg : Frau zu Tode gequält: Acht Jahre Psychiatrie für 51-Jährigen

Seine Partnerin war gefesselt und an ihrem eigenen Blut erstickt. Anstatt zu helfen, trank der Angeklagte Kaffee.

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20. Januar 2015, 17:35 Uhr

Hamburg | Wegen des grausamen Totschlags seiner Lebensgefährtin ist ein 51-jähriger Hamburger zu acht Jahren Haft und Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt worden. Das Landgericht sah es am Dienstag als erwiesen an, dass er seine 39-jährige Partnerin ans Bett gefesselt und ihr mehrfach ins Gesicht geschlagen hatte. Stunden nach dieser Tat, die laut Vorsitzendem Richter an „Folterszenarien aus dem Mittelalter“ erinnerte, erstickte die von Alkohol und Schlafmitteln betäubte Frau am eingeatmeten Blut.

Während des Prozesses waren zahlreiche brutale Details bekanntgeworden. Der Mann hatte die Tat nach Überzeugung des Gerichts aus Sadismus und aus Eifersucht auf Kneipenbekanntschaften seiner Partnerin begangen. Laut Urteilsbegründung soll er nach den Schlägen - anstatt Hilfe zu holen - unter anderem auf seine Lebensgefährtin uriniert und sich mit einem Bier neben sie gesetzt haben. Zuvor habe der Angeklagte der asthmakranken Frau in der gemeinsamen Hamburger Wohnung die Kleider vom Leib gerissen und ihr mehrfach Wäsche aufs Gesicht gedrückt. Sie erlitt mehrere Brüche im Gesicht.

Die genauen Umstände der Tat im Mai 2014 blieben allerdings unklar. Der Angeklagte schwieg im Prozess zu den Vorwürfen und räumte laut Vorsitzendem Richter erst in seinem Schlusswort das Geschehen ein, indem er sagte, es tue ihm leid. Dank der Angaben, die der 13-fach vorbestrafte Mann zuvor bei der Polizei und dem Haftrichter gemacht hatte, habe ihn das Gericht dennoch verurteilen können.„Der Fall hebt sich wegen seiner Grausamkeit von der Masse der Fälle am Schwurgericht ab“, sagte der Richter. Mord habe dem gelernten Gärtner bei der demütigenden, aber spontanen Tat dennoch nicht bewiesen werden können. Das Strafmaß begründete der Vorsitzende Richter unter anderem mit der eingeschränkten Schuldfähigkeit des Mannes, der an mehreren psychischen Störungen leide. Dazu zählten seine geringe Intelligenz und eine sogenannte seelische Abartigkeit.

Schuldig sei er trotzdem: „Durch die Passivität nach der Tat zeigte er, dass ihm der Tod der Frau egal war.“ Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von neun Jahren beantragt. Der Verteidiger des Mannes, der den Schuldspruch nicht kommentieren wollte, hatte eine geringere Strafe gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Blaulichtmonitor



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