Fracking: Firmen prüfen mehr Flächen

Landesamt für Bergbau erteilt siebte Aufsuchungserlaubnis seit Mitte März

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19. April 2013, 03:59 Uhr

Kiel | Die PRD Energy hat sich für die Suche nach Öl und Gas das sogenannte Erlaubnisfeld Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) für fünf Jahre gesichert. Das Unternehmen habe eine Aufsuchungserlaubnis erhalten, teilte das Umweltministerium gestern in Kiel mit. Dieser Bescheid bedeute lediglich das Abstecken von Gebieten. "Damit sind keine Eingriffe in den Boden wie Bohrungen oder gar Fracking-Maßnahmen erlaubt", so Sprecherin Kirsten Wegner. Schwarzenbek ist die siebte Aufsuchungsbewilligung in Schleswig-Holstein seit Mitte März.

Nach Ansicht von Umweltschützern könnte bei der umstrittenen Methode zur Öl- oder Gasgewinnung das Grundwasser belastet werden. Die schleswig-holsteinische Regierung will sich deshalb im Bundesrat für ein bundesweites Verbot von Fracking einsetzen. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie im niedersächsischen Clausthal-Zellerfeld hat die Aufsuchungserlaubnis erteilt. Das Amt fungiert als Bergbehörde Schleswig-Holsteins. Das Bergrecht sehe einen Rechtsanspruch auf solche Erlaubnisse vor, betonte das Ministerium. Einen Handlungsspielraum habe die Landesregierung nicht.

Man sei vor drei Wochen von Seiten des Ministeriums darüber informiert worden, dass das Bergamt eine Genehmigung erteilen würde, so Karsten Steffen, Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg. "Fakt ist: Der Kreis lehnt das Fracking ab. Wir sind auf allen Ebenen dabei, die Belastungen für Grund und Boden sowie für die Menschen abzuwehren." Der zuständige Fachbereichsleiter für Umweltschutz sei im ständigen Kontakt mit der Landesregierung und den anderen Kreisen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Mit Hilfe von gesammelten Daten der Universität und der Regierung wolle man zunächst erkunden, ob das Gebiet grundsätzlich für die Öl- und Gasförderung interessant sei, erklärt PRD-Präsident Mark Hornett. Bei positiven Ergebnissen werde es im Anschluss weitere seismische Untersuchungen des Bodens geben. "Wir haben momentan keine Pläne, mit der Fracking-Methode zu arbeiten, aber man kann nicht vorhersagen, was die Zukunft bringt", so Hornett. Darüber würde zum gegebenen Zeitpunkt allerdings offen und ehrlich mit den Menschen und den politischen Verantwortlichen kommuniziert, das sei erklärte Unternehmenspolitik. "Wir werden nicht gegen Ängste und Befürchtungen der Menschen handeln, wir wollen gute Nachbarn sein", so Hornett. PRD Energy hat bereits eine bergrechtliche Erlaubnis für das Feld Ostrohe (Kreise Dithmarschen, Nordfriesland und Schleswig-Flensburg) sowie eine bergrechtliche Bewilligung für das Feld Prasdorf (Kreis Plön).

Das Unternehmen RWE-Dea hat die Bewilligungserlaubnis für die Felder Preetz und Plön-Ost (Kreis Plön), sowie für das Feld Schwedeneck-See (Kreis Rendsburg-Eckernförde). "Es handelt sich bei allen drei Feldern um Altfelder, auf denen wir Ende der 90er Jahre aufgrund des niedrigen Ölpreises die Förderung aufgegeben haben", so Sprecher Derek Mösche. Nun solle aufgrund neuer technischer Möglichkeiten und des hohen Ölpreises untersucht werden, ob eine Förderung wirtschaftlich sei. Eine weitere Bewilligung für das Feld Warnau (Kreis Plön) stehe noch aus. "Wir können Fracking als Fördermethode aber kategorisch ausschließen", sagt Mösche. "Aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen bei der Ölgewinnung in Schleswig-Holstein wissen wir, dass der ölführende Sandstein eine so gute Durchlässigkeit aufweist, dass kein Fracking erforderlich ist."

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