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Kultur : Filmfest Hamburg mit „Pride“ eröffnet

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Filmfestivals sollen sich den Luxus erlauben, ein Biotop für Nicht-Kommerzielles zu sein, sagt Filmfestchef Wiederspiel. Auf seinem Hamburger Festival trifft Mainstream und Autorenkino.

Hamburg | Mit Gästen wie Regisseur Fatih Akin hat das Hamburger Filmfest am Donnerstagabend begonnen. Mehr als 140 Produktionen aus 49 Ländern zeigt das Festival bis zum 4. Oktober. Als Eröffnungsfilm hatten die Veranstalter die britische Komödie „Pride“ ausgewählt, deren Macher sich neben deutscher Kino- und TV-Prominenz auf dem roten Teppich zeigten. „Pride“ basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt von homosexuellen Aktivisten, die in der Thatcher-Ära der 80er Jahre den Streik britischer Bergarbeiter unterstützen wollen.

Das Filmfest zeigt verschiedene Reihen, darunter „DDR Deluxe“ zum Mauerfall-Jubiläum. Es verstehe sich als ein Festival „jenseits des kommerziellen Kinobetriebes“, sagte Filmfestchef Albert Wiederspiel auf der Eröffnung. „Die Filme, die sonst hier in diesem Haus laufen, laufen auch bestens ohne uns“, betonte er auf der Veranstaltung im Cinemaxx-Kino in der Innenstadt. Filmfestivals müssten sich den Luxus erlauben können, ein Biotop des unabhängigen und nicht-kommerziellen Kinos zu sein. „Es muss Festivals geben, damit weniger sichtbare Länder ein Forum bekommen, damit der Nachwuchs sein Publikum findet und damit das Publikum sich ein Bild davon machen kann, wie reich das Weltkino in der Tat ist.“ 

In sechs Kinos der Hansestadt präsentieren die Veranstalter auf elf Leinwänden 143 Beiträge, darunter 24 Debüts. Acht Produktionen, die in Hamburg zu sehen sind, wurden von ihren Ländern für den besten fremdsprachigen Film bei der Oscar-Verleihung im Februar 2015 vorgeschlagen. Unter dem Titel „Freihafen“ stellt eine neue Sparte deutsch-europäische Koproduktionen vor, die größte Sektion internationaler Filme nennt sich „Kaleidoskop“. Rund 40.000 Besucher werden erwartet.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) fiel beim Blick ins Programm auf, dass die aktuelle weltpolitische Entwicklung noch wenig abgebildet sei. „Dass die Realität spannungsreicher ist als die Fiktion, das irritiert uns Europäer wohl alle in diesem Jahr, aber es ging eben alles zu schnell“, sagte Scholz. „Niemand und schon gar kein deutscher Politiker oder Filmemacher hätte die irrwitzige weltpolitische Zuspitzung rechtzeitig vorhersehen können.“

Den Hamburger Filmschaffenden sicherte der Bürgermeister zu, der Senat werde sie auch in den kommenden Jahren unterstützen, „auch finanziell“. „Und wir reden hier nicht über Zwei-Jahres-Rhythmen“, betonte Scholz. Die Unterstützung werde genauso umfänglich sein wie in den vergangenen Jahren, erklärte er unter dem Applaus des Publikums. Gekommen waren etwa Gäste wie das Schauspieler-Paar Kai Wiesinger und Bettina Zimmermann sowie ihr Kollege Peter Lohmeyer.

Die wichtigste Filmfest-Auszeichnung geht diesmal an Regisseur Akin: Der 41-jährige Hamburger bekommt vor der Deutschlandpremiere seines Werkes „The Cut“, das er beim Filmfest von Venedig vorstellte, am Samstag den Douglas-Sirk-Preis. Die Ehrung vergeben die Veranstalter seit 1995. Namensgeber ist der in der Hansestadt geborene Regisseur Detlef Sierck (1897-1987), der als Douglas Sirk Erfolge feierte.

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erstellt am 26.Sep.2014 | 07:12 Uhr

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