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Umbauarbeiten in Hamburg : Fahrstühle und Blindenleitsystem: U-Bahn wird barrierefrei

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Fehlende Aufzüge, hohe Bahnsteigkanten und andere Hürden erschweren für Behinderte die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Laut Gesetz müssen die Barrieren bis 2022 beseitigt sein.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2015 | 07:14 Uhr

Hamburg | Das Hamburger U-Bahn-Netz wird bis zum Anfang der zwanziger Jahre für Behinderte barrierefrei ausgebaut. Damit erfüllt Hamburg die gesetzliche Vorgabe, nach der dieses Ziel bundesweit bis zum Jahr 2022 erreicht sein soll, teilte ein Sprecher der Hochbahn mit. Nach Ansicht der Behindertenverbände steht die Hansestadt damit relativ gut da. „Wir sind mit der Hochbahn in einem ständigen Gespräch und helfen bei der Planung“, sagte Johannes Köhn, Geschäftsführer der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen (LAG).

Die Fahrgäste der U-Bahn müssen deshalb immer wieder mit Einschränkungen rechnen. So wird die vielbefahrene Linie U1 in diesem Jahr für acht Wochen unterbrochen. Die erste Sperrung der drei Haltestellen Stephansplatz, Hallerstraße und Klosterstern für zwei Wochen beginnt am Samstag. In Hamburg sind zwar Ferien, aber dennoch sind täglich 92.000 Fahrgäste betroffen. In den Sommerferien ist die U-Bahn-Linie noch einmal sechs Wochen unterbrochen. Die Hochbahn setzt als Ersatz Busse ein. „Wenn wir nur drei Stunden in der Nacht arbeiten können, dann werden wir erst nach Jahren fertig. Deshalb schließen wir die Stationen und arbeiten 24 Stunden durch“, sagte Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum.

Der Umbau einer U-Bahn-Station kostet ein bis zwei Millionen Euro. Dafür wird nicht nur ein Fahrstuhl eingebaut, was auch nichtbehinderten älteren Menschen und Müttern mit Kindern zugute kommt. Meist werden auch die Bahnsteige angehoben und ein Blindenleitsystem gebaut. Bis vor vier Jahren ging der Umbau des U-Bahn-Netzes schleppend voran; nicht einmal die Hälfte der Stationen war barrierefrei. Mit dem Amtsantritt von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) kam 2011 mehr Dampf in das Programm: Der Senat legte 32 Millionen Euro auf den Tisch, die Hochbahn beschleunigte den Umbau.

Nun werden Ende des Jahres 20 zusätzliche Haltestellen behindertengerecht umgebaut sein. Insgesamt sind dann 57 von 91 U-Bahn-Haltestellen barrierefrei. Das nächste Umbauprogramm - mit den technisch schwierigeren Stationen - beginnt 2016.

Das ist längst nicht selbstverständlich. In Nordrhein-Westfalen ist zum Beispiel die Lage ganz anders. „Der flächendeckende barrierefreie Ausbau bis 2022 ist nicht zu schaffen“, sagte Geschäftsführerin Annette Schlatholt von der LAG NRW. Der Städtetag Nordrhein-Westfalen hat ausgerechnet, dass für die Umrüstung der Haltestellen von U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen rund 1,75 Milliarden Euro fällig würden. Tatsächlich geben die Städte im Land aber nur 33,6 Millionen Euro jährlich für Nachrüstungsprogramme aus. Die Finanzmittel müssten folglich verfünffacht werden, um die gesetzlichen Ziele zu erreichen. Oder es dauert noch mehr als 50 Jahre.

Das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) schreibt seit 2013 das Ziel einer „vollständigen Barrierefreiheit“ vor und setzt damit eine Vorgabe der EU um. Die meisten Experten meinen, dass der Gesetzgeber über das Ziel hinausgeschossen ist, als er aus einer „weitgehenden“ eine „vollständige“ Barrierefreiheit machte. Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Handicaps ist es kaum möglich, jedem einzelnen Behinderten jede Haltestelle ohne Mühe zugänglich zu machen. Manchmal gibt es auch technische oder wirtschaftliche Grenzen. In NRW setzen sich jetzt erst einmal die Experten zusammen, um gemeinsam zu definieren, was eine „vollständig barrierefreie“ Haltestelle eigentlich ausmachen sollte.

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