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Ärztekammer Hamburg : Ethik-Kommission tritt fast geschlossen zurück

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In der Hamburger Ärzteschaft rumort es. Es geht um Forschung am Menschen und die Prüfung der Vorhaben durch die Ethik-Kommission. Der wird vorgeworfen, für ihre Prüfungen zu lange zu brauchen. Jetzt treten die meisten Mitglieder des Gremiums zurück.

Hamburg | Fast alle Mitglieder der Ethik-Kommission der Ärztekammer Hamburg treten zurück. Das teilte die Kammer am Donnerstag mit. Eine Sprecherin sagte, aktuell hätten 21 der 29 Kommissionsmitglieder zum März ihren Rückzug angekündigt. Demnach habe sich die Kommission vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Ärztekammer unter Druck gesetzt gefühlt, weil sie Forschungsvorhaben zu lange und zu gründlich prüfe. Aufgabe des Gremiums ist es, geplante Studien am Menschen ethisch und rechtlich zu bewerten. Zudem habe die Ärztekammer Desinteresse an der Arbeit der Kommission gezeigt.

Das UKE bestätigte, dass der Dekan der Medizinischen Fakultät Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) im August 2013 um Unterstützung gebeten habe. Die sehr langen Bearbeitungszeiten der Kommission hätten die Planung einzelner Forschungsprojekte gefährdet. Von einer Rücktrittswelle zu diesem Zeitpunkt sei das UKE aber überrascht. Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde sagte, es habe Versuche aus der Politik gegeben, die Meinungsverschiedenheiten zwischen Kommission, UKE und Ärztekammer zu klären. Die Rücktritte seien bedauerlich.

Die Ärztekammer wies die Vorwürfe scharf zurück. Die Behauptung, die Kammer nehme den Patientenschutz nicht ernst, sei „eine bösartige Verleumdung“. Der Vorwurf des Desinteresses sei absurd. „Die Ethik-Kommission ist in ihrer inhaltlichen Arbeit vollkommen unabhängig, weshalb wir niemals Einfluss auf irgendwelche Entscheidungen genommen haben oder jemals nehmen würden“, teilte Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery mit. Die Kammer werde in Absprache mit der Gesundheitssenatorin schnellstmöglich neue Mitglieder berufen.

„Bevor jetzt in aller Eile eine neue Ethik-Kommission von der Landesärztekammer berufen wird, müssen die Vorwürfe rückhaltlos aufgeklärt werden“, forderte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Bis dahin wäre es gut, wenn Ärztekammerpräsident Montgomery sein Amt ruhen ließe.

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erstellt am 30.Jan.2014 | 17:04 Uhr

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