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Erstmals steht ein Mitglied der "Unsterblichen" vor Gericht

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Hamburg | Zu ihren nächtlichen Aufzügen rücken die "Unsterblichen" mit Fackeln an, ziehen sich weiße Totenmasken über und tragen schwarze Kleidung. Bei diesen Spontanaufmärschen von zumeist mehreren Dutzend Rechtsradikalen skandieren die Teilnehmer NS-Parolen und verbreiten ihre kruden Thesen. Sie warnen vor dem "Schandwerk der Demokraten" und dem "Volkstod" durch Überfremdung in Deutschland.

Es ist die rechtsradikale Spielart von Flashmobs. Nach Einschätzung von Verfassungsschützern handelt es sich bei den "Unsterblichen" um keine feste Organisation, sondern um eine Aktionsform der Neonaziszene mit den modernen Mittel des Internets und sozialer Netzwerke. Seit mehr als zwei Jahren treiben die Rechts-Aktivisten in Deutschland auf diese Weise ihr gespenstisches Unwesen. Am Montag muss sich nun erstmals in Hamburg ein Teilnehmer an einem dieser Aufzüge vor Gericht verantworten.

Laut Anklage war der heute 29-Jährige am 17. Dezember 2011 beim unangemeldeten Marsch der "Unsterblichen" im Hamburger Stadtteil Eißendorf dabei. Mit 20 Gleichgesinnten habe er sich in einem "geschlossenen Block in Dreierkolonne die Eißendorfer Straße entlang bewegt", so die Staatsanwaltschaft. Dabei hätten die Teilnehmer "einheitlich schwarze Oberbekleidung getragen", der Angeklagte und eine Vielzahl seiner Mitmarschierer zudem gleiche weiße Gesichtsmasken und einige Teilnehmer brennende Fackeln. Über Megaphon sollen dazu fremdenfeindliche Parolen sowie die Begriffe "Nationalsozialisten" oder "Nationalsozialismus" gerufen worden sein.

Zwar konnte die Polizei den rechten Spuk stoppen und die Personalien von insgesamt 17 Marschierern aufnehmen. Doch wegen der Maskierung gelang es nicht, das Rufen der verbotenen NS-Parolen konkreten Personen zuzuordnen. Der Anklagevorwurf gegen den 29-Jährigen im Prozess vor dem Amtsgericht Harburg lautet lediglich auf Verstoß gegen das Uniform- und Vermummungsverbot.

Das nächtliche Spektakel veranstalteten die "Unsterblichen" erstmals im Mai 2011 in Bautzen (Sachsen). Ihr Auftreten in Hamburg vor anderthalb Jahren hat die dortigen Verfassungsschützer auf den Plan gerufen. Wenige Wochen nach dem Totenmasken-Marsch in Eißendorf durchsuchten dann Staatsanwaltschaft und Polizei die Wohnungen der 17 festgestellten Teilnehmer in Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen.

Dabei stießen die Ermittler vielfach auf alte Bekannte. Die meisten "Unsterblichen" von Eißendorf waren als Anhänger rechtsextremer Gruppen aktenkundig, Darunter Aktivisten der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppierung "Nationalkollektiv Hamburg / Weiße Wölfe Terrorcrew". Bei den Razzien stellten die Beamten außer weißen Masken auch pyrotechnisches Material und rechtsradikale Schriften sicher.

Seit diesem Schlag gegen die Szene ist es in Hamburg zu keinen weiteren Aufzügen der "Unsterblichen" gekommen. In anderen Teilen Deutschlands und vor allem im Internet hält der Spuk aber an. Erschwerend für die Ermittler ist diese Tatsache: Die Server stehen im Ausland und entziehen sich dem Zugriff deutscher Behörden.

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erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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