Neues Konzept in Altona : Erste Ikea-Innenstadtfiliale in Hamburg eröffnet

Volle Bude: Zahlreiche Kunden strömen in das neu eröffnete Ikea-Einrichtungshaus in Hamburg-Altona.
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Volle Bude: Zahlreiche Kunden strömen in das neu eröffnete Ikea-Einrichtungshaus in Hamburg-Altona.

Startschuss für ein zunächst umstrittenes Projekt: Am Montag eröffnete der Ikea-Markt in Hamburg-Altona. Er soll die Einkaufszone aufwerten und neue Geschäfte anziehen. Nicht nur die Präsentation der Möbel weicht vom Standard anderer Ikea-Häuser ab.

shz.de von
30. Juni 2014, 12:32 Uhr

Hamburg | Die Möbelkette Ikea hat am Montag ihre lange umstrittene Innenstadt-Filiale in Hamburg-Altona eröffnet. Es ist nach Angaben des Konzerns das weltweit erste komplette Innenstadt-Einrichtungshaus. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der selbst in Altona wohnt, hieß den schwedischen Konzern mit einem Grußwort willkommen. Ikea investierte am Standort an der Großen Bergstraße mehr als 80 Millionen Euro und schafft damit 300 Arbeitsplätze. Dort ist ein siebenstöckiges Gebäude entstanden, davon vier Parkdecks mit 730 Stellplätzen.

Mit einer Verkaufsfläche von 18.000 Quadratmetern ist die Filiale in Altona rund 20 Prozent kleiner als andere Ikea-Märkte, präsentiert aber dennoch das gesamte Katalogsortiment. Im Ausland, etwa in Asien, gibt es vereinzelt innerstädtische Ikea-Filialen unter dem Dach von Einkaufszentren. Ein ähnliches Konzept probiert der Konzern auch bereits in Lübeck aus. Dort eröffnete Ikea im April unter dem Namen „Luv Shopping“ auf 50.000 Quadratmetern sein erstes Einkaufszentrum in Deutschland. Hier gibt es nicht nur Möbel, sondern in mehr als 50 Geschäften Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Bücher und Geschenkartikel.

Ähnliche Einkaufszentren betreibt Ikea auch schon an einigen Standorten im Ausland; ein weiteres Projekt in Deutschland ist aber vorläufig nicht in Sicht. Grund: Es fehlt an geeigneten Grundstücken. Der Bau des Möbelmarktes war zunächst umstritten, wurde aber in einem Bürgerentscheid im Bezirk Altona mit einer Mehrheit von rund 77 Prozent der Stimmen gebilligt. Bei der Eröffnung zeigten Demonstranten ein einzelnes Transparent mit dem Text „Besseres als Ikea für Altona“.

Wegen der Innenstadt-Lage erwartet Ikea anders als in anderen Märkten, dass rund die Hälfte der Kunden zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr anreist. Im Umkreis von drei Kilometern um die Filiale leben rund 150.000 Menschen. Ikea hat sich mit einem neuen Konzept an die Lage angepasst und bietet die Lieferung der Waren am Tag des Einkaufs ebenso an wie Lastentaxen, Fahrradkuriere, Car-Sharing und Leihfahrräder und -anhänger.

Auch die Präsentation der Möbel und Einrichtungsgegenstände weicht ab von dem Standard anderer Ikea-Häuser. In Altona gibt es Schaufenster im Erdgeschoss und Tageslicht. Der Selbstbedienungsbereich und das Kinderparadies ist in den dritten Stock verlegt. Ikea rechnet mit rund 5000 Kunden täglich in Altona, was jedoch je nach Wochentag und Wetter erheblichen Schwankungen unterliegen kann.

„Kill Billy!“ – mit diesem Aufruf wollten linke Gentrifizierungskritiker vor fünf Jahren den ersten Ikea-Möbelmarkt in Innenstadtlage in Hamburg-Altona stoppen. Doch ehe es dem populären Regal an den Kragen ging, setzten sich die Ikea-Freunde bei einem Bürgerentscheid mit 77 Prozent der Stimmen durch und das Möbelhaus bekam die Baugenehmigung. Der jahrelange Protest ist erlahmt; die Webseite „kein-ikea-in-altona.de“ nicht mehr am Netz.

Das steckt hinter dem Imperium Ikea:

Ikea

In finanzieller Hinsicht machen die Möbelhäuser natürlich immer noch den Großteil des Ikea-Geschäfts aus. Der Großteil der Märkte gehört dabei zur Ingka-Gruppe, die von einer niederländischen Stiftung kontrolliert wird. Die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt und mit einem zuletzt auf rund 26 Milliarden Euro geschätzten Vermögen eine der größten Stiftungen der Welt.

Inter Ikea

Spätestens seit der Einweihung des Shopping-Centers ist dieser Name auch in Deutschland für Menschen zunehmend ein Begriff. Schließlich hat Inter Ikea für den Bau des Centers mit Ikea Deutschland kooperiert. Anders ginge es auch nicht. Beide Unternehmen sind nämlich  im Besitz unterschiedlicher Stiftungen – und formal voneinander unabhängig. Inter Ikea – kontrolliert von der Stiftung Interogo in Liechtenstein – verwaltet die Markenrechte und das Konzept von Ikea. Und Ikea Deutschland – kontrolliert von der Ingka-Stiftung –  muss dafür Franchise-Gebühren zahlen. Diese Konstruktion seines Firmenkonglomerats soll dem Ikea-Konzern unter anderem dazu dienen, Steuern zu sparen.

Boklok

Seit Ende der 90er Jahre hat Ikea über diese Tochter Fertighäuser entwickelt und verkauft. Inzwischen vertreibt Boklok in manchen Ländern auch Solaranlagen.

Moxy

Gemeinsam mit dem Hotel-Betreiber Marriott arbeitet die Inter-Ikea-Tochter Inter Hospitality seit 2012 am Aufbau dieser Low-Budget-Hotelkette. Eröffnungen in Mailand, Berlin, Frankfurt und London sind laut Internet-Seite von Moxy für dieses Jahr geplant. Inter Hospitality steht auch hinter den „Ulito“-Studentenwohnheimen, die von der Ikea-Tochter entwickelt werden.

Landprop

Nochmals weitaus ehrgeiziger sind die Pläne, die von dieser Ikea-Tochter angegangen werden. Sie baut und entwickelt kurzerhand komplette eigene Stadtviertel. Das bislang prominenteste Beispiel dafür ist gegenwärtig Strand-East. In einem ehemaligen Industrie-Viertel errichtet Ikea dort ein kleines Quartier mit rund 1200 Wohnungen. Über verschiedenste kleinere Firmen im Ikea-Imperium kontrolliert der Konzern zudem unzählige Büro-Gebäude. Allein die Ikea-Tochter Pronam ist Eigentümerin von mehr als 250.000 Quadratmetern Bürofläche – mitten in Amsterdam.

Ikano Bank

Das Finanzinstitut gehört nur zum Teil zum Ikea-Imperium. Durch seine Produkte (zum Beispiel die Ikea Family-Card) ist es stark mit dem Konzern verworben – und befindet sich im Besitz der drei Söhne von Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Die Ikano Bank ist dabei nicht nur die Hausbank von Ikea, sondern verwaltet auch das Vermögen der Familie.

Family Mobile

In Großbritannien bietet Ikea in Kooperation mit nationalen Mobilfunkanbietern einen eigenen Tarif an, der den Kunden des Möbeleinrichters vorbehalten bzw. an den Besitz der Ikea-Kundenkarte gekoppelt ist.

 
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