Vorwurf: Sexueller Missbrauch : Ermittlungen gegen Grundschul-Erzieher

Blick in eine Grundschulklasse. Dieses Bild stammt nicht aus der betroffenen Hamburger Grundschule.
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Blick in eine Grundschulklasse. Dieses Bild stammt nicht aus der betroffenen Hamburger Grundschule.

Eine Viertklässlerin vertraute sich einer Sozialpädagogin an: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen 59-jährigen Erzieher.

shz.de von
30. Juni 2014, 16:50 Uhr

Hamburg | Schlimmer Verdacht an einer Hamburger Grundschule: Ein Erzieher (59) soll sich in mindestens zwei Fällen sexuell an Kindern vergangen haben. Die Leitung der Schule Neurahlstedt hat in der vorigen Woche Strafanzeige erstattet. Schulbehörden-Sprecher Peter Albrecht: „Der Erzieher wurde sofort suspendiert.“ Allerdings gelte auch in diesem Falle so lange die Unschuldsvermutung, bis dem Mann etwas nachgewiesen worden sei. Einzelheiten zu den mutmaßlichen Taten nannte Albrecht nicht. Es solle sich um „sexuelle Übergriffe unterschiedlicher Art“ gehandelt haben.

Die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen aufgenommen. Sprecherin Nana Frombach bestätigte, dass die Behörde dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen nachgehe.

Vergangenen Freitag hatte die Schule alle Eltern per Brief über den Verdacht sowie die Suspendierung des Erziehers informiert. Begründung: „distanzloses Verhalten“ und „Übergriffe“ auf die Kinder. Der 59-Jährige dürfe das Schulgelände nicht mehr betreten. Die Eltern werden in dem Schreiben zudem gebeten, ihre Kinder zu befragen und „eventuelle Verfehlungen des Erziehers zurückzumelden“.

Auslöser waren Angaben einer Viertklässlerin, die sich einer Sozialpädagogin anvertraut hat. Daraufhin hatte auch ein Junge über sexuelle Belästigung durch den Betreuer berichtet.

Bei dem Mann handelt es sich nicht um einen Lehrer, sondern um eine Zeitarbeitskraft für die Nachmittagsbetreuung. An Hamburgs Grundschulen gibt es seit zwei Jahren eine Ganztagsbetreuung. Nach dem regulären Schulschluss am Mittag sind dafür am Nachmittag in aller Regel Erzieher, Sozialpädagogen und Hilfskräfte im Einsatz, die mit den Kindern essen, Hausaufgaben machen, aber auch Sport treiben, basteln und spielen.

Als Träger des Nachmittagsangebots fungiert an der Neurahlstedter Grundschule das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Der 59-Jährige sei dem DRK von einer Zeitarbeitsfirma vermittelt worden, sagte ein DRK-Sprecher. Das erweiterte Führungszeugnis des Bewerbers war laut Behördensprecher Albrecht einwandfrei. Auch bei der Polizei ist der Mann bisher nicht wegen sexuell motivierter Straftaten aufgefallen. Sein Arbeitgeber hat ihm inzwischen fristlos gekündigt.

Hamburgs CDU wirft dem Senat anlässlich des Verdachtsfalls „unhaltbare Zustände“ bei der Nachmittagsbetreuung vor. Die schulpolitische Sprecherin Karin Prien: „Absolut unfassbar, dass ein mutmaßlicher Kinderschänder als Erzieher an einer Hamburger Schule arbeitet.“ Die Kinder würden wegen des knappen Betreuungsschlüssels am Nachmittag häufig von ständig wechselnden Zeitarbeitskräften betreut oder seien teilweise sogar unbeaufsichtigt. Prien fordert „endlich verbindliche Qualitätskriterien und -kontrollen“ für das Ganztagsschul-Personal.

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