Reederei Hapag Lloyd : Elite-Kämpfer gegen Piraten

Gekapert von Piraten: Die 'Cape Bird' aus Hamburg treibt vor Nigeria.
Gekapert von Piraten: Die "Cape Bird" aus Hamburg treibt vor Nigeria.

Die Hamburger Reederei Hapag Lloyd setzt ehemalige britische Soldaten ein - und bewegt sich damit in einer rechtlichen Grauzone.

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14. Oktober 2011, 07:56 Uhr

Hamburg | Die größte deutsche Reederei Hapag-Lloyd aus Hamburg setzt offenbar ehemalige britische Elitesoldaten gegen Piraten ein. Der Hamburger Radiosender NDR 90,3 meldete am Donnerstag, es seien regelmäßig bewaffnete Einheiten an Bord von Schiffen der Reederei, wenn die Route durch den Indischen Ozean führe.
Hapag-Lloyd lehnte jegliche Stellungnahme dazu ab. Ein Experte aus Hamburger Reeder-Kreisen begründet die Schweigsamkeit so: "Hapag-Lloyd bewegt sich in einer Grauzone, da gesetzliche Regelungen zum Einsatz bewaffneter Kräfte noch nicht existieren."
Von 3659 Schiffen deutscher Reeder fahren nur 570 unter deutscher Flagge
Die norddeutschen Länder hatten erst vor wenigen Wochen eine Bundesratsinitiative gestartet, um von der Bundesregierung Schutz für deutsche Handelsschiffe zu bekommen. Doch die hat nicht die Absicht, Bundespolizei oder Bundesmarine an Bord zu schicken. Der Grund: Von den aktuell 3659 Schiffen deutscher Reeder fahren nur 570, also ein Siebtel, unter deutscher Flagge. Daher könne nicht in jedem Fall nach der deutschen Marine gerufen werden, erklärte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und forderte die deutschen Reeder auf, selbst mehr für den Schutz ihrer Schiffe zu tun. Die Regierung werde eine Zertifizierung für private Sicherheitsfirmen einführen, um Qualitätsstandards bei der Piraten-Abwehr zu setzen. Doch geschehen ist das noch nicht.
Die Reederei müsse solange also wortkarg bleiben, sagt der Experte, man dürfte aber davon ausgehen, dass die Elitekämpfer definitiv an Bord seien. Dabei umfasst die Flotte von Hapag-Lloyd mehr als 140 modernste Container-Schiffe, die meist über 300 Meter lang sind und relativ schnell fahren. Damit gelten sie als vergleichsweise wenig gefährdet.
Crewmitglieder aus Osteuropa konnten noch einen Notruf absetzen
Allerdings fährt auch der Hamburger Chemikalien-Tanker "Cape Bird" der Reederei Columbia Shipmanagement in dieser Liga. Er ist 180 Meter lang und 12,5 Knoten (25 Kilometer pro Stunde) schnell, hat eine hohe, schwierig zu erklimmende Bordwand. Trotzdem wurde er in der Nacht zu Sonntag vor der Küste Nigerias geentert. Die 20 Crewmitglieder aus Osteuropa konnten noch einen Notruf absetzen, mittlerweile besteht keine Verbindung mehr. Das Problem der Hamburger Reederei: Da die "Cape Bird" nicht unter deutscher Flagge fährt, hilft jetzt auch kein behördlicher Krisenstab.
Was die Piraten wollen, ist unklar. Bisher waren vor der afrikanischen Atlantikküste lediglich Plünderungen üblich. Max Johns, Sprecher des Verbands Deutscher Reeder: "Wir fürchten, dass die bisher unorganisierten Piraten von den Somalia-Seeräubern gelernt haben." Am Horn von Afrika werden die Schiffe entführt, dann wird Lösegeld erpresst. Im vergangenen Jahr wurden 53 Schiffe von Piraten gekapert und 1181 Geiseln genommen. Momentan gibt es weltweit 35 gekaperte Schiffe, davon halten somalische Piraten 15 Schiffe mit 227 Geiseln fest.

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