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Harburg : Elf Jahre nach Mord – 45-Jähriger in Hamburg vor Gericht

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2003 soll ein Mann auf einen schlafenden 38-Jährigen eingestochen haben. Vor Gericht will er sich nicht äußern.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2015 | 17:00 Uhr

Hamburg | Mehr als elf Jahre nach einer tödlichen Messerattacke auf einen Mann in Hamburg-Harburg muss sich ein heute 45-Jähriger vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Ihm wird vorgeworfen, 2003 auf den schlafenden Liebhaber seiner Frau eingestochen und den 38-Jährigen getötet zu haben. Der mutmaßliche Täter wollte sich zum Prozessauftakt am Dienstag nicht zu der ihm vorgeworfenen Tat äußern, wie sein Anwalt sagte. 

Die Ermittlungen gegen den Angeklagten waren 2006 zunächst eingestellt, wegen neuer Erkenntnisse 2012 jedoch wieder aufgenommen worden. Seit September vergangenen Jahres sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Im weißen Hemd, den obersten Knopf leger geöffnet, darüber ein dunkles Sakko, die vormals schwarzen Haare leicht ergraut und mit einem Dreitagebart: So präsentierte sich der mutmaßliche Mörder am Dienstag im Gerichtssaal. Nur die müden, von Rändern gezeichneten Augen ließen Rückschlüsse auf seinen Gemütszustand zu. Ansonsten verhielt er sich - abgesehen von kurzen Gesprächen mit seinen Anwälten - weitgehend neutral.

Laut Staatsanwaltschaft soll er mit einem Bekannten, der inzwischen bei einem Badeunfall in der Türkei ums Leben gekommen ist, dem 38-Jährigen zunächst zu dessen Wohnung gefolgt sein. Dort hätten die maskierten Täter dem schlafenden Mann Messerstiche in Rücken und Brust versetzt. Das Messer aus einem Block in der Küchennische des Hauses brach ab. Laut Staatsanwaltschaft konnte sich das Opfer, das in der eigenen Wohnung von dem Angriff überrascht worden war, nach der Tat noch ins Freie schleppen - mit der 18 Zentimeter langen Messerklinge im Brustbein. Im Hinterhof des Hauses soll der Haupttäter dann versucht haben, ihm mit einem weiteren Messer den Kopf abzutrennen und fügte ihm einen Schnitt bis auf die Wirbelsäule zu. Magen, Niere und andere Organe wurden beschädigt - der 38-Jährige starb noch am Tatort an seinen starken Blutungen. 

Ein Polizist, der dabei war, als der Mann im Oktober 2003 in Harburg verblutete, sagte als erster Zeuge im Prozess mit tränenerstickter Stimme: „Er hat mich angesehen mit flehendem Blick - ich wollte in den letzten Sekunden bei ihm sein.“ Ihm sei sofort klar gewesen, dass der Verletzte aufgrund des hohen Blutverlusts nicht mehr zu retten war.

Das Landeskriminalamt setzte zwei verdeckte Ermittler ein - ob diese im Laufe des Prozesses aussagen, ist noch unklar. Außerdem sollen Vernehmungsprotokolle von zwei Frauen, die inzwischen gestorben sind, verlesen werden. Eine Zeugin, die in der Tatnacht im Haus war, will das Gericht anhören. Rund 20 Zuschauer waren zum Prozessauftakt gekommen. Als Nebenkläger trat der Bruder des Mordopfers auf.

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