Klimaforschung : Eisdecke am Nordpol schmilzt kräftig dahin

Das Meereis rund um den Nordpol schmilzt in diesem Jahr deutlich stärker als bislang von Wissenschaftlern angenommen. Foto: dpa
Das Meereis rund um den Nordpol schmilzt in diesem Jahr deutlich stärker als bislang von Wissenschaftlern angenommen. Foto: dpa

Das Meereis rund um den Nordpol schmilzt in diesem Jahr deutlich stärker als bislang von Wissenschaftlern angenommen. Hamburger Klimaforscher sind alarmiert.

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20. August 2008, 01:53 Uhr

Seit zwei Wochen habe es einen so starken Rückgang gegeben, dass bereits jetzt der bisherige Rekordtiefstwert von 2007 fast erreicht sei, sagte der Hamburger Klimaforscher Professor Lars Kaleschke am Dienstag. Die Talsohle sei aber noch nicht erreicht. Im September 2007 war die geringste Eisbedeckung seit Beginn der Satellitenaufzeichnung vor 36 Jahren gemessen worden. Die Beobachtungen werden von dem Eisbrecher "Polarstern" bestätigt, der derzeit die Nordwestpassage des Pols ansteuert.
Derzeit sind laut Kaleschke rund um den Nordpol noch etwa 6,1 Millionen Quadratkilometer Meeresoberfläche mit Eis bedeckt. Im Vorjahreszeitraum habe die Eisfläche rund 5,8 Millionen Quadratkilometer betragen.
Die sommerliche Eisbedeckung nimmt kontinuierlich ab
Weil die Schmelzperiode in der Regel bis Mitte September anhält, rechnet Kaleschke erneut mit einem Rekordtiefstand um 4,7 Millionen Quadratkilometer Eisfläche. In den 90er Jahren wurden zum Ende des arktischen Sommers noch Werte um acht Millionen Quadratkilometer gemessen. Seither nimmt die sommerliche Eisbedeckung kontinuierlich ab.
Der Meereisexperte des Hamburger Instituts für Meereskunde stützt sich in seiner Einschätzung auf die Auswertung von täglichen Satellitenaufnahmen aus der Arktis. Die Vorhersage der Eisentwicklung nimmt ein internationale Forschergruppe vor.
Dieser "Sea Ice Outlook Report" ging bislang von einer moderaten Eisschmelze im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre aus. Warum sich der Rückgang der Eisfläche in den vergangenen 14 Tagen derartig beschleunigte, ist noch unklar.
Die in der Vergangenheit kaum befahrbare Strecke ist derzeit eisfrei
Die vom Satelliten festgestellten Eisverhältnisse entsprechen den Beobachtungen von Bord des Eisbrechers "Polarstern". Auf der aktuellen Arktisexpedition hat das Forschungsschiff des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) Kurs auf die so genannte Nordwestpassage auf der kanadischen Seite des Nordpols genommen.
Die in der Vergangenheit kaum befahrbare Strecke ist laut AWI derzeit praktisch eisfrei und damit das zweite Jahr in Folge passierbar. Vor zwei Monaten waren die Wissenschaftler noch davon ausgegangen, diese Gegend nicht erreichen zu können. Auf dem Weg durch die Passage sucht die "Polarstern" nach Regionen im Meeresboden, in denen erstmals Informationen über 50 Millionen Jahre Erdentwicklung im Bereich der Arktis erschlossen werden könnten.

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