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Steuerhinterziehung : Einer der reichsten Hamburger vor Gericht

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Vom Maschinenschlosser zum Multimillionär - ein reicher IT-Unternehmer aus Hamburg soll Steuern hinterzogen haben. Seit Dienstag steht er in Kiel vor Gericht.

Kiel | Wegen Steuerhinterziehung in 17 Fällen muss sich seit Dienstag ein Hamburger IT-Unternehmer vor dem Kieler Landgericht verantworten. Seinem langjährigen Rechtsanwalt und Steuerberater wird in zehn Fällen Beihilfe vorgeworfen. Laut Anklage ermöglichten sie es acht leitenden Mitarbeitern aus Schleswig-Holstein, beim Verkauf einer IT-Unternehmensberatungsgesellschaft Einkünfte an der Steuer vorbei zu kassieren. Den Finanzbehörden entgingen demnach von 2002 bis 2004 rund 2,3 Millionen Euro Einkommenssteuer.

Der 72-jährige Unternehmer wird zu den reichsten 400 Deutschen gezählt und gilt als einer der 40 reichsten Hamburger. Er wies zum Auftakt des Verfahrens in einer persönlich verlesenen Erklärung die Vorwürfe zurück. Um beim boomenden Neuen Markt seine führenden Mitarbeiter angesichts massiver Abwerbungsversuche zu halten, habe er ihnen etwas bieten müssen. Es sei ihm dabei am einfachsten erschienen, sie an den enormen Wertsteigerungen seines Unternehmens zu beteiligen, sagte er. Um Unzufriedenheiten zu vermeiden, seien die Vereinbarungen unter absoluter Verschwiegenheit mündlich geschlossen worden.„Handschlagvereinbarungen waren gängige Praxis“, sagte der Angeklagte. „Ich habe keinen Anlass gesehen, mich um die steuerliche Abwicklung zu kümmern. Ich musste das Unternehmen auf Kurs halten“.

Er sei davon ausgegangen, dass die Begünstigten sich selbst um ihre Steuerpflicht kümmerten. Im gesamten Verkaufsprozess habe er sich auf hochkarätige Berater verlassen, betonte der Unternehmer. „Ich bin ihren Empfehlungen gefolgt in der Hoffnung, dass die Verkaufsstrukturen rechtens waren.“  Der Verkauf der Unternehmensberatung mit rund 1200 Mitarbeitern gelang 2001 noch kurz vor dem Börsencrash und brachte 1,2 Milliarden DM ein. Der Angeklagte erhielt davon nach Angaben seiner Verteidigung rund 870 Millionen DM. Inzwischen habe er darauf 204 Millionen Euro Steuern nachgezahlt.

In seiner Erklärung gab der Angeklagte auch persönliche Einblicke in sein Leben. Nach mittlerer Reife und Ausbildungen zum Maschinenschlosser und Industriekaufmann erkannte er demnach sehr früh die Möglichkeiten des beginnenden IT-Geschäftes. Er bewarb sich bei IBM, wurde dort rasch gefördert. In einem kleinen Zimmer im Hamburger Seemannsheim habe er viel Zeit mit IBM-Maschinen und dem Programmieren verbracht, sagte er.Er arbeitete demnach unter anderem für große deutsche Autobauer und wurde zuständig für die zentrale Datenverarbeitung von Banken und Sparkassen. Dort lernte er auch damalige Geschäftspartner kennen. Mit ihnen stieg er im Frühjahr 1972 als Teilhaber in die Firma PDV ein, in der seine Frau als Software-Entwicklerin arbeitete. „Da war ich 30“, sagte er.Die Kieler Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beim Verkauf bundesweit 45 Personen begünstigt wurden. Der Steuerschaden soll dabei rund 30 Millionen Euro betragen. Wie es hieß, sind diese Verfahren entweder eingestellt oder ausgesetzt bis zur Entscheidung in einem Musterverfahren, das in Hamburg anhängig sei. Der Prozess ist bis Ende August terminiert.

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erstellt am 06.Mai.2014 | 16:33 Uhr

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