"Revolutionäre" Mai-Demo : Eine Polizistin auf der Schanze verletzt

Knapp 2500 Polizisten sicherten das Schanzenviertel schon am Sonnabend. Foto: dapd
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Knapp 2500 Polizisten sicherten das Schanzenviertel schon am Sonnabend. Foto: dapd

Rund 2000 Menschen sind vom Altonaer Bahnhof zum Schanzenviertel gezogen. Eine Polizistin wurde durch einem Böller verletzt. 20 Demonstranten wurden festgenommen.

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03. Mai 2011, 08:22 Uhr

Dicht flankiert von Polizisten sind rund 2000 Menschen am Sonntagabend in Hamburg bei einer "revolutionären" 1.-Mai-Demonstration Richtung Schanzenviertel gezogen. Trotz angespannter Atmosphäre blieb der Zug nach Einschätzung der Polizei zunächst weitgehend friedlich. Allerdings stoppten die Beamten ihn kurz nach Start zwei Mal, weil Böller umherflogen. Einer traf eine Polizistin und verletzte sie. Bei einzelnen Rangeleien wurden laut Polizeisprecher Holger Vehren 20 Menschen fest- und 20 in Gewahrsam genommen. Massive Ausschreitungen gab es aber bis zum Sonnenuntergang nicht. "Wir haben etwas anderes befürchtet", sagte Vehren. Der Versammlungsleiter beendete die Demonstration um 21.30 Uhr.
Bereits am Sonnabend war es bei einer Demonstration der linken Szene zu einzelnen Ausschreitungen gekommen, bei der die Polizei auch Wasserwerfer einsetzte. Dieses Mal fuhren sie zwar auf, kamen aber bis auf ein Mal nicht zum Einsatz.

"Klasse gegen Klasse"
Die Demonstranten zogen unter dem Motto "Heraus zum revolutionären 1. Mai - Klasse gegen Klasse" vom Bahnhof Altona Richtung Schanzenviertel. Viele trugen schwarze Kapuzen oder Kappen und dunkle Sonnenbrillen. Auf Transparenten stand: "Zum Teufel mit dem Kapital" oder "Organisiert den Widerstand gegen Faschismus und Kapitalismus." Immer wieder geriet der Zug ins Stocken, die Polizei stoppte ihn zwei Mal. Ein Bengalisches Feuer wurde gezündet.
Die Polizei stufte einen Teil der Demonstranten, die sie großteils dem linken oder linksextremen Lager zuordnete, als potenziell gewaltbereit ein. Sie richtete wie auch am Sonnabend ein Gefahrengebiet im Schanzenviertel ein, in dem die Beamten ohne konkreten Verdacht Menschen durchsuchen oder in Gewahrsam nehmen sowie Platzverweise erteilen können. Mehr als 2000 Polizisten waren im Einsatz.

GdP: "Gesetze müssen konsequent angewandt werden"
Viele Schaulustige verfolgten den Zug. Ein Kellner in einem italienischen Restaurant in Altona zeigte sich genervt. Kunden blieben aus, klagte er. Außerdem wollten zahlreiche Polizisten bei ihm auf die Toilette gehen. "Demonstration ist Demonstration. Aber Gewalt ist etwas anderes."
Die CDU-Bürgerschaft hat Gesetzesänderungen gefordert. Hamburgs Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Uwe Koßel, bezeichnet im shz.de-Video die bestehenden Gesetze als ausreichend. "Sie müssen aber auch konsequent angewandt werden - nicht nur von der Polizei, sondern auch von den Richtern." Zudem fordert er ein Umdenken in der Gesellschaft: "Nicht nur die Gewalt an Menschen, sondern auch an Sachen muss geächtet werden."

Elf verletzte Polizisten am Sonnabend
In der Walpurgisnacht von Sonnabend auf Sonntag war es nach einer Demonstration für den Erhalt des linksautonomen Zentrums "Rote Flora" vereinzelt zu Ausschreitungen gekommen. Elf Polizisten wurden verletzt. Die Beamten nahmen 17 der rund 4000 Demonstranten vorläufig fest und 50 in Gewahrsam. Feuerwerkskörper flogen, die Polizei setzt mehrfach Wasserwerfer ein.
Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) zog am Sonntag eine positive Bilanz des Polizeieinsatzes vom Sonnabend. "Die Polizei hat durch entschlossenes Eingreifen Schlimmeres verhindert", erklärte er. Gleichzeitig verurteilte der Innensenator die Gewalttätigkeiten. "Es ist durch nichts zu rechtfertigen, dass es rund um den 1. Mai auch in diesem Jahr wieder zu gewalttätigen Aktionen in der Stadt gekommen ist."
(dpa, pwü, shz)

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