Hamburg : Eine Familie für Findelbaby Marie

Für das in einem Koffer abgelegte Hamburger Findelbaby Marie ist inzwischen eine Pflegefamilie gefunden worden. Nach den leiblichen Eltern wird noch immer gesucht.

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16. Januar 2011, 12:41 Uhr

Das Mädchen soll nun schnellstmöglich aus dem Krankenhaus zu seinen neuen Eltern kommen, wie der Sprecher des zuständigen Bezirksamtes, Lars Schmidt, am Freitag sagte. Nach Angaben eines Sprechers des Altonaer Kinderkrankenhauses wird sich Maries Aufenthalt in der Klinik noch bis in die nächste Woche hinziehen. Es gehe ihr unverändert gut, und sie habe ein bisschen zugenommen, benötige allerdings noch etwas Wärme, sagte er. Unterdessen besuchte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am Freitagnachmittag das Kinderkrankenhaus und erkundigte sich dabei auch nach dem Zustand des wenige Tage alten Säuglings.
Der Ministerbesuch war den Angaben zufolge schon seit längerer Zeit geplant. Rösler ist selber im Alter von neun Monaten von seinen heutigen Eltern adoptiert worden. Diese besondere Bindung habe er bei dem Besuch am Freitag auch zum Ausdruck gebracht, sagte der Krankenhaus-Sprecher weiter. Etwa 40 Familien kamen als neue Eltern für Marie infrage. Neben der Wartezeit habe vor allem die soziale Kompetenz, das Kind großziehen zu können, eine Rolle bei der Wahl der Familie gespielt, sagte Schmidt. Falls sich die leiblichen Eltern nicht melden, kann die Pflegefamilie das Baby nach Ablauf einer Frist auch adoptieren. Das Mädchen wog bei der Aufnahme in das Altonaer Kinderkrankenhaus 2.200 Gramm und war 45 Zentimeter groß.
Nur einzelne Hinweise
Unterdessen hat die Hamburger Polizei weiterhin keine heiße Spur.
Es gingen nur vereinzelt Hinweise bei den Ermittlern ein, sagte ein Polizeisprecher auf dapd-Anfrage. Wesentlich neue Erkenntnisse seien allerdings nicht dabei. Um die Aufmerksamkeit auf den Fall zu erhöhen, war der Fall am Mittwoch als Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" gezeigt worden. Aber auch direkt nach der Ausstrahlung waren lediglich fünf Anrufe bei der Polizei eingegangen. Das ZDF hatte Aufnahmen einer Überwachungskamera aus der Nähe des Tatorts gezeigt, auf denen ein Mann zu sehen ist, der den Koffer abgelegt haben könnte. Der Mann verließ den Bahnhof Dammtor am Dienstag vergangener Woche um 15.01 Uhr und nutzte den Ausgang in Richtung Messehallen. Er hat kurze, schwarze Haare und war mit einer schwarzer Hose und einem schwarzem Kurzmantel bekleidet. Bei sich trug er einen schwarzen Koffer der Marke Omica. In einem solchen Gepäckstück war das Findelbaby am Abend des 4. Januar von einem Pförtner nahe dem Congress Center Hamburg (CCH) im Stadtteil St. Pauli entdeckt worden. Eine Öffentlichkeitsfahndung mit den Bildern im Großraum Hamburg hatte zuvor ebenfalls nicht zum Erfolg geführt. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung.

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