Freispruch für Nonnenmacher : Ein HSH-Urteil zum Kopfschütteln

Freigesprochen: Dirk Jens Nonnenmacher im Hamburger Landgericht.
Freigesprochen: Dirk Jens Nonnenmacher im Hamburger Landgericht.

Dirk Jens Nonnenmacher und die anderen HSH-Vorstände sind freigesprochen. In einem Punkt argumentiert das Gericht sehr dünn, kommentiert Joachim Dreykluft.

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09. Juli 2014, 16:08 Uhr

Das Urteil in Sachen HSH ist schwer zu ertragen. Hochbezahlte Banker jonglieren ohne ausreichende Sachkenntnis mit dem Geld einer Bank, die zum Teil dem Steuerzahler gehört und anschließend von diesem gerettet werden musste.

Zumindest den Freispruch zum Vorwurf der schweren Untreue haben die Richter nachvollziehbar begründet. Das Bundesverfassungsgericht hat die Hürde für eine Verurteilung bewusst so hoch gelegt, dass eben nicht jedes risikoreiche Geschäft, das schief geht, zu einer Strafe führt. Die Angst der Hamburger Richter, dass eine Verurteilung vom Bundesgerichtshof einkassiert würde, ist berechtigt und nachvollziehbar.

Anders sieht es mit dem Tatvorwurf der Bilanzfälschung aus, unter anderem erhoben gegen den damaligen Finanzchef Dirk Jens Nonnenmacher. Im Bericht zum ersten Quartal 2008 hat die HSH einen Gewinn von 81 Millionen Euro ausgewiesen. Stattdessen waren es, das hält auch das Gericht für erwiesen, 31 Millionen Euro Verlust. Die Bank sei „bisher relativ gut durch die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten gekommen“, schrieb der damalige Vorstandschef Hans Berger im Quartalsbericht. Aus heutiger Sicht war der Gewinn eine glatte Lüge, die laut Aktiengesetz mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden kann.

Warum verurteilt das Gericht dann nicht? Die Abweichung sei „von untergeordneter Bedeutung“, meinen die Richter. Untergeordnete Bedeutung? Angesichts einer Summe von 112 Millionen Euro, um die es geht, kann der finanzmarktkundige Beobachter nur den Kopf schütteln.

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