Kommentar : Ein guter Tag für den HSV: Kühnes Volksparkstadion

Die heutige Imtech-Arena wird bald wieder zum Volksparkstadion.
Die heutige Imtech-Arena wird bald wieder zum Volksparkstadion.

Rückzugsdrohung als Taktik? Der umstrittene Investor erfüllt den HSV-Fans einen großen Wunsch. Ein Kommentar von Jürgen Muhl.

shz.de von
23. Januar 2015, 07:54 Uhr

Hamburg | Die HSV-Fangemeinde jubelt. Wie zu besten Zeiten, als im Volkspark Meisterschaften gefeiert wurden. Eben dieses Volksparkstadion gibt Milliardär Klaus-Michael Kühne der großen HSV-Familie zurück. Sie fühlte sich nicht wohl in der AOL-Arena, in der HSH Nordbank-Arena und auch nicht in der Imtech-Arena. Wohl niemand sagt, er gehe am Sonnabend in die Imtech-Arena. Nein, HSV-Freunde sprechen vom Volksparkstadion. Fußballfans lassen sich ihr Herzstück nicht so einfach nehmen. Auch von Millionen nicht, mit denen Konzerne ihren Lieblingsverein am Leben halten.

Diese Millionen aber braucht der finanziell angeschlagene Hamburger Sport-Verein mehr denn je, will er die Bundesliga erhalten und ins internationale Geschäft zurück. Und so gelang den Machern im Volkspark ein kluger Schachzug. Sie holten den eigentlich als Geldgeber schon abgesprungenen Unternehmer zurück ins wackelnde Boot. Kühne, der noch vor Weihnachten angekündigt hatte, die bislang geliehenen 25 Millionen Euro alsbald wiedersehen zu wollen, kauft die Namensrechte am Stadion und erhält dafür 7,5 Prozent an der ausgegliederten HSV-AG. Die Wohltat des Geldgebers besteht darin, auf eine Kühne-Arena zu verzichten. Gespielt wird künftig wieder im Volksparkstadion. Wo Uwe Seeler, Charly Dörfel, Felix Magath oder Horst Hrubesch den Club einst zu großen Erfolgen geführt haben.

Die Rückzugsdrohung mag Taktik von Kühne gewesen sein. Hätte er sie umgesetzt, wäre es beim HSV eng geworden. So aber rettet der 77-jährige Wahl-Schweizer nicht nur seinen Verein und die AG, sondern spielt sich dazu auch noch in die Herzen all jener, die es gut mit dem Traditionsclub meinen. Eine schnelle Wandlung vom harten Investor zum Retter des HSV. Die Fans werden es Kühne nicht mehr übel nehmen, wenn er der sportlichen Leitung hin und wieder die Leviten liest. Fußballfans, darunter auch durchaus kluge Köpfe, fliegen gern mit dem Ball in die andere Richtung. Hauptsache, er liegt im Netz.

Gestern war endlich einmal wieder ein guter Tag für den HSV.

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