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Hamburgs Ultimatum läuft ab : Eigentümer gibt Rote Flora nicht freiwillig zurück

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Der Eigentümer der Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel spricht von einem Erpressungsversuch. Die Stadt will das Gebäude zwangsweise zurückkaufen. Der Fall landet wohl vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 12:10 Uhr

Das Rote-Flora-Ultimatum läuft noch fast eine Woche – doch schon jetzt ist klar, dass der Eigner es verstreichen lässt. Klausmartin Kretschmer werde das ehemalige Theater keineswegs an die Stadt zurückverkaufen, erklärt dessen Immobilienberater Gert Baer. Auch die Bauvorbescheidsanträge zum Umbau der Flora in ein kommerzielles Veranstaltungszentrum will er nicht zurücknehmen.

Vor zwei Wochen hatte Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) den Eigentümer aufgefordert, die Anträge bis zum 3. Februar zurückzuziehen. Diese verstießen gegen den Kaufvertrag von 2001. Damals hatte die Stadt die seit 1989 von Links-Autonomen besetzte Rote Flora an den „Kulturinvestor“ verkauft und damit befriedet. Kretschmer zahlte den Schnäppchenpreis von 190.000 Euro und sicherte zu, das Gebäude als Stadtteilkulturzentrum zu belassen und die Besetzer zu dulden. Nun steckt der Kaufmann in finanziellen Schwierigkeiten und möchte mit Partner Gert Baer das Filetgrundstück im Schanzenviertel zu Geld machen. Die Ankündigung der Pläne hatte die linke Szene alarmiert und zur Gewalteskalation im Dezember beigetragen.

Zum Ultimatum gehört das Senatsangebot, die Flora auf gütlichem Wege für 1,1 Millionen Euro zurückzunehmen. Weigere sich Kretschmer, will die Stadt ein Rückkaufrecht aus dem 2001er-Vertrag ziehen. Laut Tschentscher stellt schon die Bauvoranfrage einen Verstoß gegen die damaligen Vereinbarungen dar. Die Stadt sei damit berechtigt sei, die Immobilie für den Ursprungspreis von 190.000 Euro zurückzukaufen. Baer hält das für abwegig: „Anträge auf einen Bauvorbescheid sind noch keine Änderung der Nutzung.“ Das Angebot sei ein „Erpressungsversuch“, dem sich Kretschmer nicht beugen werde.

Nach Ablauf der Frist dürfte der Senat schon kommende Woche offiziell einen Vertragsbruch reklamieren und den Rückkauf verlangen. Anschließend wird der Fall vor Gericht landen – Ausgang völlig offen. Noch hoffen die Verantwortlichen im Rathaus, dass Kretschmer im letzten Moment die 1,1 Millionen Euro nimmt und das Gebäude abstößt. Zuletzt hatten er und Baer allerdings eine Kaufsumme von fünf bis sechs Millionen Euro verlangt.

Der Wert von Haus und Grundstück liegt deutlich darunter, wie die Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Robert Bläsing zeigt. Darin gibt die Finanzbehörde den Verkehrswert der Roten Flora mit 540.000 Euro an.

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