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Landgericht Hamburg : Drogen, Streit um eine Frau, Messerstiche: Angeklagter schweigt

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Mit 28 Messerstichen soll ein Mann einen anderen getötet haben. Sie stritten um eine Frau, die gerade im Gefängnis saß.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 16:27 Uhr

Hamburg | Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Mannes in Hamburg-Fischbek steht das Hamburger Landgericht vor einer mühsamen Wahrheitsfindung. Der Verteidiger des 46 Jahre alten Angeklagten warf der Staatsanwaltschaft am Donnerstag einseitige Ermittlungen vor. „Die Staatsanwaltschaft hat Entlastendes ausgeblendet“, sagte Rechtsanwalt Jan Langhans. Ein des Drogenhandels beschuldigter Zeuge habe seinen Mandanten belastet, um sich Vorteile zu verschaffen. Der Angeklagte selbst schweigt, nach Angaben seines Anwalts stand er bei der Tat massiv unter Drogeneinfluss und hat Erinnerungslücken. Der Nebenkläger erklärte, er selbst und das spätere Opfer seien erheblich alkoholisiert gewesen.

Der Angeklagte soll am 2. Mai einen 41-Jährigen mit 28 Messerstichen getötet haben. Tatort war die Wohnung einer Frau, zu der beide Männer eine Beziehung hatten. Die 33-Jährige selbst saß zu der Zeit im Gefängnis. Bei dem nächtlichen Streit soll der Angeklagte auch einen Begleiter des 41-Jährigen verletzt haben. Dieser tritt im Prozess als Nebenkläger an. Ein Nachbar hatte den Toten im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses entdeckt. Der 41-Jährige war laut Anklage nach 28 Messerstichen verblutet.

Bereits vier Monate zuvor, Anfang Januar, soll der 46-Jährige einen anderen Mann am S-Bahnhof Holstenstraße mit einem Messer angegriffen und verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft geht in diesem Fall von einem versuchten Totschlag aus. Der bei dieser Tat verletzte Mann soll ebenfalls mit der 33-Jährigen liiert gewesen sein.

Der Begleiter des Anfang Mai getöteten Mannes wurde am Donnerstag als Zeuge befragt. Der 29-Jährige erklärte, sein Bekannter habe ihn in der Tatnacht zufällig an einer Bushaltestelle getroffen und ihn gebeten, im Taxi mit zur Wohnung der Frau zu fahren. Der 41-Jährige habe „eine Sache klären“ wollen. Beide seien alkoholisiert gewesen und hätten noch weiter Bier getrunken. In der Wohnung sei es zum Streit gekommen. Sowohl der 46-Jährige als auch sein Kontrahent hätten behauptet, noch von der Frau geliebt zu werden und damit zu Recht in der Wohnung zu sein. „Die Stimmung war friedlich, außer dass die beiden sich angeschrien haben“, sagte der Zeuge. Er habe versucht zu schlichten.

Plötzlich habe der 46-Jährige ein Messer unter dem Bett hervorgeholt und auf ihn eingestochen. Eine Erklärung für den überraschenden Angriff hatte der 29-Jährige nicht. „Warum soll ich eine Erklärung haben? Ich habe selber genug Probleme.“ Auf Nachfragen bestätigte er aber, dass auch sein 41 Jahre alter Bekannter ein Messer dabei hatte.

Nach den Stichen habe er die Wohnung verlassen und erst auf der Straße bemerkt, dass er verletzt war. Passanten riefen einen Krankenwagen. Der Polizei habe er später gesagt, er habe „Stress mit Russen“ gehabt. Die Wahrheit habe er nicht sagen wollen, weil er selbst noch eine Reststrafe wegen Körperverletzung und Diebstahl abzusitzen hatte.

Der Fall wirft auch Fragen zum Vorgehen der Justiz auf. Gegen den Angeklagten sei schon im September 2014 Haftbefehl erlassen worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf damals: gefährliche Körperverletzung. Opfer sei die 33-Jährige gewesen. Der Haftbefehl sei aber unter Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Als nach der Tat von Anfang Januar die Staatsanwaltschaft die Inhaftierung des Beschuldigten forderte, wurde dies vom Haftrichter abgelehnt. Gleichwohl habe der Angeklagte im Frühjahr eine Zeit lang in Haft gesessen, um eine Ersatzfreiheitsstrafe zu verbüßen. Danach kam er wieder frei.

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