An Kohlenmonoxid erstickt : Drei Tote in Hamburg-Harburg: War der Schornstein defekt?

Drei Männer im Alter von 32, 56 und 72 Jahren sind in Hamburg-Harburg an Kohlenmonoxid erstickt. Die Feuerwehr löste Großalarm aus, insgesamt waren 75 Retter im Einsatz.
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Drei Männer im Alter von 32, 56 und 72 Jahren sind in Hamburg-Harburg an Kohlenmonoxid erstickt. Die Feuerwehr löste Großalarm aus, insgesamt waren 75 Retter im Einsatz.

Drei Männer erstickten am Dienstag an Kohlenmonoxid. Es gab viele Verletzte. Die Ursache für das Unglück wird geprüft.

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02. Dezember 2014, 18:40 Uhr

Hamburg | Der Tod muss schleichend und unbemerkt gekommen sein: Bei einem Gasunglück in einem Mehrfamilienhaus in Hamburg-Harburg sind am Dienstag drei Männer im Alter von 32, 56 und 72 Jahren an Kohlenmonoxid erstickt. Weitere zehn Bewohner wurden verletzt, einer davon schwebt am Mittwochmittag noch in Lebensgefahr. Feuerwehrsprecher Steven Eckardt: „Wir haben in den Häusern extrem hohe Werte von Kohlenmonoxid gemessen.“ Auch die sechs Feuerleute, die am frühen Nachmittag noch ohne Atemschutzmasken die beiden Mietshäuser betraten, mussten anschließend ärztlich untersucht werden. Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruch- und farbloses Gas, das unter anderem beim Verbrennen von Erdgas entsteht. Es blockiert die Sauerstoffaufnahme und kann binnen Minuten zum Erstickungstod führen.

Die Anfänge der Tragödie reichen womöglich bis in die Nacht auf Dienstag zurück. Dreimal sei der Rettungswagen zwischen 22 und 4 Uhr zu den Mehrfamilienhäusern in der Straße Beckerberg gerufen worden, berichteten die Einsatzkräfte: Ein Mann hatte ein Herzinfarkt erlitten, eine alte Frau war gestürzt, ein junger Mann klagte über Übelkeit und musste ins Krankenhaus. Beim vierten Alarmruf am Dienstag kurz vor 14 Uhr entdeckte die Feuerwehr dann die drei Toten. Sie lagen in zwei Wohnungen im Erdgeschoss des vierstöckigen Eckhauses. Zwei der Toten seien auffallend spärlich bekleidet gewesen - möglicher Fingerzeig darauf, dass die Männer im Schlaf von der Kohlenmonoxid-Vergiftung überrascht wurden und sich nicht mehr in Sicherheit bringen konnten.

Feuerwehrsprecher Eckardt: „Zufällig befand sich ein Schornsteinfeger vor dem Haus. Er hat die ersten Messungen angestellt.“ Dabei zeigten sich lebensbedrohlich hohe CO-Werte nicht nur in dem Eckhaus, sondern auch in dem direkt angrenzenden Nachbargebäude. Die Feuerwehr löste Großalarm aus, insgesamt waren 75 Retter im Einsatz. Die Anwohner beider Häuser wurden in Sicherheit gebracht. Bis zum Abend konnten sie nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Fenster standen sperrangelweit offen, mit Ventilatoren bliesen Feuerwehrkräfte Luft in die Häuser, um das Kohlenmonoxid zu vertreiben.

Die Ursache für das Unglück blieb fürs Erste offen. Die Brandspezialisten von Kripo und Feuerwehr konnte die Spurensuche zunächst nicht aufnehmen. Am Abend sagte ein Polizeisprecher: „Es gibt erste Hinweise, dass es sich um einen Defekt am Schornstein handeln könnte.“ Gewissheit sei dies aber noch nicht. Denkbar ist auch, dass durch eine undichte Stelle der Heizungsanlage Kohlenmonoxid ausgeströmt ist.

Die Häuser Beckerberg 9 und 11 liegen im Harburger Phoenix-Viertel, ein traditionelles Arbeiterquartier, das seinen Namen von der nahen Reifenfabrik hat.

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