Stadtentwicklungssenatorin Hamburg : "Die Stadt wird nicht zubetoniert"

Schlafen unter dem Michel: So machten  Wohnungslose in Hamburg bereits im vergangenen Jahr auf ihre Situation aufmerksam. Foto: dpa
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Schlafen unter dem Michel: So machten Wohnungslose in Hamburg bereits im vergangenen Jahr auf ihre Situation aufmerksam. Foto: dpa

Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) erklärt, wie die Problematik der Wohnungsnot in Hamburg verbessert werden soll.

shz.de von
02. September 2011, 11:27 Uhr

Frau Senatorin, Hamburg klagt seit langem darüber, dass viele junge Familien ins Umland abwandern. Was wollen Sie dagegen tun?
Wir wollen natürlich nach Möglichkeit jeden Hamburger Bürger in der Stadt halten. Dafür wollen wir jetzt das Angebot schaffen. Wir weisen vermehrt Flächen aus, auf denen auch Einfamilienhäuser entstehen werden. Zum Beispiel das Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Jenfeld, die ehemalige Röttiger-Kaserne in Neugraben-Fischbek und die Neue Mitte Altona.
Die SPD hat die Wahl auch mit dem Versprechen gewonnen, Wohnungsknappheit zu beseitigen und den Mietenanstieg einzudämmen. Das hatten schon frühere Senate angekündigt. Was machen Sie anders?
Unter der CDU gab es vor allem einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, was übrigens gerade für junge Familien ein Problem ist. Deshalb haben wir festgelegt, dass von den 6000 neuen Wohnungen pro Jahr 2000 von der Stadt öffentlich gefördert werden.
Wer soll profitieren?
Menschen mit kleineren Einkommen, aber auch solche mit mittlerem Einkommen. Das sind etwa Facharbeiter, die anständig verdienen, sich derzeit aber Wohnungen in guten Hamburger Lagen nicht mehr leisten können. Wir werden deshalb die Einkommensgrenze für die Nutzung geförderten Wohnraums von 30.000 Euro brutto pro Jahr deutlich anheben. Der genaue Betrag ist noch nicht festgelegt.
Mit sozialem Wohnungsbau allein werden sie das Problem kaum lösen. Ohne private Investoren wird es nicht gehen.
Deshalb werden wir ein "Bündnis fürs Wohnen" mit der Wohnungswirtschaft, also den privaten, aber auch den Genossenschaften, schmieden. Darin werden wir alle gemeinsam verabreden, den Wohnungsbau zu forcieren. Unterschrieben ist außerdem schon eine Vereinbarung mit den Bezirken mit Zielabsprachen zu der Zahl von Baugenehmigungen. Und wir wollen die Bauverfahren auf behördlicher Seite beschleunigen, was auch private Investoren immer gefordert haben.
Die städtische Wohnungsgesellschaft Saga/GWG soll nach ihren Vorstellungen wieder in den Neubau einsteigen und jährlich 1000 Wohnungen errichten. Laut Saga-Chef schafft sein Unternehmen aber höchstens 500.
Das galt nur unter den alten Bedingungen. Jetzt sagt der Saga-Chef, unter den geänderten Bedingungen schafft er auch 1000 Wohnungen.
Welche Bedingungen haben Sie verbessert?
Zum Beispiel die Frage der Grundstücksbeschaffung. Wir haben das Höchstpreisverfahren geändert, damit mehr Flächen für günstiges Wohnen zur Verfügung stehen. Künftig ist der Preis bei der Vergabe nur ein Kriterium von mehreren. Wir werden Baugebiete ausweisen mit der Auflage, dass dort zu einem Drittel sozialer Wohnungsbau entsteht.
Wo kommen die Flächen her? Riskieren Sie nicht Dauerkonflikte mit Nachbarn und Naturschützern?
Wenn wir tatsächlich mal eine Grünfläche in Anspruch nehmen, dann werden wir auch für einen Naturausgleich sorgen. Die Stadt wird nicht zubetoniert. Ansonsten gilt: Erstens entsteht die maßgebliche Anzahl von Neubauten auf Konversionsflächen. Und zweitens werden wir im innerstädtischen Bereich verdichten, so weit es geht. Also Baulücken schließen und vorhandene Gebäude aufstocken.
Beim Stichwort "aufstocken" zucken Traditionalisten zusammen. Sollen Hochhäuser die Silhouette der Stadt prägen?
Nein. Es geht darum, dass wir uns an zwei Geschosse mehr durchaus gewöhnen können. Das fände ich in Ordnung.
Hamburg ist die Stadt mit den am schnellsten steigenden Mieten in Deutschland. Versprechen Sie den Bürgern, diese Entwicklung zu stoppen?
Zumindest setze ich darauf, dass die Mieten stabil bleiben, wenn wir mit unserem Gegensteuern erfolgreich sind. Der öffentlich geförderte Wohnungsbau wird die allgemeine Mietpreisentwicklung dämpfen.

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