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Die geheime Welt der Schnüffler

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Minikamera im BH, eine Wanze im Martiniglas – selbst James Bond wäre vermutlich beeindruckt: Im Hamburger Auswanderermuseum Ballinstadt präsentiert die Ausstellung „Top Secret – die geheime Welt der Spionage“ vielerlei authentische Utensilien aus der Welt der Agenten und Schlapphüte. Erstmals sind in der Hansestadt Exponate der weltweit umfangreichsten Spionage-Sammlung aus Oberhausen zu bestaunen.

Mit der Frage „Fühlen Sie sich beobachtet?“ begrüßt eine Stimme den Besucher im Foyer des Museums. Kaum einer wohl, der diese Frage angesichts von Dauer-Videoüberwachung und NSA-Schnüffelei ernsthaft verneinen würde.

Fast schon romantisch wirken da viele imposante Ausstellungsstücke aus der Zeit vor Internet und Handy. Aus jenen Tagen, da Spione ihrem Job noch vor allem an der Bar nachgingen und ihren Widersacher schon mal mit der Kugelschreiber-Pistole außer Gefecht setzten. „Top Secret“ gibt Einblicke in schier unglaubliche Erfindungen und Missionen. Zu sehen sind unter anderem Kameras, versteckt im Regenschirm, in Knöpfen, im BH oder im eigenen Wohnzimmer. Aber auch Miniaturwaffen wie Erdnuss- und Lippenstiftmesser.

Weniger martialisch, aber nicht minder wichtig sind andere Werkzeuge aus der Geheimdienstwelt, wie die Enigma IV, eine Weiterentwicklung der legendären Enigma Rotor-Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg. Aber Filmreifes wie eine Abhörwanze im Martiniglas und eine Cäsarscheibe zum selbst Ausprobieren von Textentschlüsselung.

Vieles wirkt skurril bis schaurig. Wie der Nachbau einer Toilette mit Auffangvorrichtung. Kurator Jens Nitschke erklärt: „Das Original befand sich in den 1980er-Jahren im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Bonner Petersberg und wurde – auf ausdrückliche Anweisung des jeweiligen Bundeskanzlers – von BND-Spezialisten dazu genutzt, die Fäkalien von Staatsgästen zu analysieren.“ Der westdeutsche Geheimdienst erwartete sich davon Erkenntnisse über den Gesundheitszustand ausländischer Politiker.

Zudem erfährt der Besucher etliches über die Arbeit der Nachrichten- und Geheimdienste, die Spionagetätigkeiten im Kalten Krieg und lernt auch berühmte Spione und Agenten kennen – auch solche, die es nur auf Zelluloid gegeben hat.

Spionage betreffe gerade heute jeden, so die Ausstellungsmacher. Entsprechend räumen sie den tagespolitischen Diskussionen um Datenklau im Netz einen zentralen Platz ein.  

>Info: „Top Secret – die geheime Welt der Spionage“, bis 31. März 2014 (am 11. Februar geschlossen), Foyer des Auswanderermuseums Ballinstadt, Veddeler Bogen 2; täglich 10 bis 16.30 Uhr.


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erstellt am 06.Feb.2014 | 10:33 Uhr

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