zur Navigation springen

Sternipark Hamburger Goethestrasse : Deutschlands erste Babyklappe wird 15

vom

Vor 15 Jahren eröffnete der Hamburger Verein Sternipark seine erste Babyklappe. Ihr folgten bundesweit fast 100 weitere. Doch das Konzept bleibt umstritten.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 12:00 Uhr

Hamburg | Es sind schwere sieben Stufen, die eine Mutter gehen muss. Unten angekommen, wartet eine Glasfront mit einem weißen Rahmen, darin eingelassen eine Klappe aus Stahl. Vor 15 Jahren wurde hier, in der Hamburger Goethestraße, die bundesweit erste Babyklappe eröffnet. Fast 100 weitere folgten später in Deutschland. Vom Gesetzgeber werden sie geduldet. Ihre Wirkung und Rechtmäßigkeit sind allerdings umstritten.

„Wir haben unser Ziel erreicht“, sagt Leila Moysich. Sie ist die Geschäftsführerin des Hamburger Vereins Sternipark, der Deutschlands erste Babyklappe eingerichtet hat. „In Hamburg muss die Polizei seit Jahren nicht mehr ausrücken, um tote Säuglinge zu bergen. Auch Kindesaussetzungen gibt es in der Stadt praktisch nicht mehr.“

Den Ausschlag für das Projekt gab der Fund eines toten Neugeborenen auf dem Sortierband einer Hamburger Recycling-Anlage im Dezember 1999. In den Babyklappen des Hamburger Vereins wurden in den vergangenen 15 Jahren 49 Säuglinge abgegeben. Eines davon war bereits tot auf die Welt gekommen, erklärt Moysich.

Babyklappen sind allerdings nach wie vor umstritten. „Wie sich zeigt, ist in Deutschland die Zahl der Kindstötungen nicht zurückgegangen, obwohl die Zahl der Babyklappen enorm zugenommen hat“, kritisiert Michael Heuer von der Hilfsorganisation Terre des Hommes. In Deutschland seien im vergangenen Jahr 16 Babys getötet worden, 2013 sogar 21. Die Zahlen schwankten stark, sagt Heuer. „Frauen, die ihre Kinder getötet haben, handeln meist aus Panik“, betont Heuer. „Das heißt, dass sie von Angeboten wie Babyklappen gar nicht angesprochen werden.“ Wegen der Anonymität gebe es zudem keine Möglichkeit herauszufinden, warum ein Baby abgelegt wurde.

In Deutschland gibt es nach Angaben von Sternipark mittlerweile 96 Einrichtungen, in denen ein warmes Bettchen und ein Kuscheltier auf ein ungewolltes Neugeborenes warten. Babyklappen werden auch Babynest, Babyfenster oder Babykorb genannt. Wie viele Kinder insgesamt in Deutschland anonym abgegeben werden, ist nicht bekannt.

Wer die Stahltür öffnet und wieder schließt, löst einen Alarm aus. Ehrenamtliche Mitarbeiter kontrollieren innerhalb von fünf bis zehn Minuten, ob ein Baby in das Wärmebettchen gelegt wurde. Das Neugeborene wird dann medizinisch versorgt – und kommt später in eine Pflegefamilie. Die leibliche Mutter kann sich innerhalb von acht Wochen bei der Einrichtung melden, wenn sie ihr Kind doch selbst großziehen will.

In Hamburg sei das bei knapp einem Drittel der Fall, sagt Moysich: „14 Mütter haben sich entschieden, das Kind wieder anzunehmen.“ Der Verein habe die Mütter dann kennengelernt. „Wir haben festgestellt, dass es in der Regel nicht die drogenabhängige Frau ist. Es ist die Frau aus dem gutbürgerlichen Haus, die mit der Schwangerschaft in eine Lebenskrise geraten ist.“ Die anderen Mütter bleiben aber anonym. Deshalb erfahren viele Babyklappen-Kinder nie, wer sie auf die Welt gebracht hat – aus Sicht von Kritikern ein großes Problem. „Die bestehenden Angebote anonymer Kindesabgabe sind (...) sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen“, heißt es in einer Stellungnahme des Deutschen Ethikrats.

Eine rechtliche Grundlage für die Babyklappen gibt es nicht. Nach dem Personenstandsgesetz ist jeder verpflichtet, eine Geburt dem Standesamt mitzuteilen. Für Terre des Hommes ist die sogenannte vertrauliche Geburt eine bessere Alternative für ungewollt Schwangere. Ein Gesetz dazu gilt seit Mai 2014. Bei der vertraulichen Geburt kann eine Frau ihr Kind in einem Krankenhaus zur Welt bringen. Ihre Daten werden zwar gespeichert, bleiben aber mindestens bis zum 16. Geburtstag des Kindes unter Verschluss.

Wo sind die Babyklappen in SH?

Kiel
Städtisches Krankenhaus Kiel
Chemnitzstraße 33

Lübeck
Mutter-Kind-Haus (Agape-Haus)
Mengstraße 62

Pinneberg
Regio-Klinikum-Pinneberg
Fahltskamp 74

Reinbek
St. Adolf-Stift
Hamburger Straße 41

Satrup
Mutter-Kind-Haus des SterniPark e.V.
Satrupholm 1

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen