Hamburger Reederei SAL : Deutschen Seeleuten droht Prozess in Indien

Die 'Grietje' - hier im Rostocker Hafen - soll vor Indien ein Fischerboot versenkt haben. Foto: rfra
Die "Grietje" - hier im Rostocker Hafen - soll vor Indien ein Fischerboot versenkt haben. Foto: rfra

Vor Chennai in Indien soll der Schwerlastfrachter "Grietje" ein Fischerboot gerammt haben. Es sank. Für den Tod eines Fischers sollen sich zwei deutsche Seeleute verantworten.

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28. März 2013, 12:15 Uhr

Hamburg/Chennai | Nach einem tödlichen Schiffsunglück in Indien werden zwei deutsche Seeleute eines Hamburger Frachters möglicherweise wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurden die beiden am Dienstag in der südindischen Stadt Chennai vorläufig festgenommen und gegen Kaution wieder freigelassen. Der Kapitän und der Erste Offizier der "Grietje" dürften das Land vorerst aber nicht verlassen, sagte Rüdiger Bauer, Mitglied der Geschäftsleitung der Reederei SAL, der Nachrichtenagentur dpa. Die Reederei, die Eigentümerin des Schiffes ist, hält die Anschuldigungen für haltlos.

"Grietje" soll weitergefahren sein, obwohl Fischerboot sank

Die mit 20 Mann Besatzung fahrende "Grietje" soll vor elf Tagen vor der südindischen Stadt Chennai ein Fischerboot gerammt haben. Obwohl es sank, soll der Frachter weitergefahren sein. Bei dem Unfall ertrank indischen Medienberichten zufolge ein 45 Jahre alter Fischer, zwei Menschen konnten gerettet werden. Zum Unglückszeitpunkt sollen sich in dem Seegebiet insgesamt sieben Schiffe aus unterschiedlichen Ländern befunden haben.
"Es steht der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum", sagte Bauer. Die Anschuldigungen seien nach der derzeitigen Beweis- und Sachlage jedoch vollkommen haltlos. "Wir gehen mit unsere Leuten davon aus, dass das Verfahren eingestellt wird." Die zwei Deutschen würden nur deshalb festgehalten, weil die "Grietje" als einziges der sieben Schiffe, die für den Unfall verantwortlichen sein könnten, im Hafen von Chennai eingelaufen sei. Die aus Singapur kommende "Grietje" hatte in Indien Fracht geladen und sollte am Mittwoch oder Donnerstag in die südafrikanische Hafenstadt Richards Bay aufbrechen.

Die Angelegenheit sorgt in Indien auch deshalb für Aufregung, weil gerade erst ein Streit um zwei italienische Marinesoldaten zu diplomatischen Zerwürfnissen zwischen Indien und Italien geführt hat. Die Matrosen hatten vor einem Jahr zwei Fischer erschossen, die sie offenbar für Piraten hielten. Sie sollen sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten. Im Streit um die Frage, ob die Soldaten nach einem Heimaturlaub zurück nach Indien mussten, war der italienische Außenminister Giulio Terzi di SantAgata am Dienstag zurückgetreten.

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