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Ghost-Konzert in Hamburg : Des Teufels fette Metal-Show

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In der ausverkauften Hamburger Markthalle sorgen Ghost für gespenstisch schöne Stimmung.

von
erstellt am 11.Dez.2015 | 19:15 Uhr

Es ist eine düstere, okkulte Atmosphäre. Nebel wabert über die schwarz gekleidete Menge hinweg und der schwere Geruch von Weihrauch erfüllt die Hamburger Markthalle. Die schwedische Metal-Band Ghost zaubert ein mystisches Bild in die verregnete Hansestadt. Gemälde von Buntglasfenstern mit Teufelsgesicht schmücken die Bühne, das Licht färbt den Nebel rot.

Ganz in Schwarz mit silbrigen Teufels-Masken kommen die Musiker auf die Bühne. Namenlos allesamt. Sänger Papa Emeritus III tritt in einem Papstgewand mit hoher Mitra auf, das Gesicht zum Totenschädel geschminkt. Auch sein echter Name ist unbekannt. 

Es ist dieses Rätselhafte und Anonyme, das einen Teil der Faszination für die Band ausmacht. Aus ihren wahren Identitäten machen die Musiker ein Geheimnis, das bislang – 2010 erschien das erste Demo-Album – noch nicht gelüftet wurde. Wohl aber wurde spekuliert, wer sich hinter den Masken und hinter den so eingängigen Melodien mit so düsteren Texten verbirgt. Doch noch nicht einmal über das genaue Genre ist man sich einig. Es ist ein so leichter Metal, dass man ihn fast nicht mehr als Heavy bezeichnen möchte. Mal psychedelisch, mal so eingängig melodiös, dass einzelne Songs fast schon ins Mainstream-Radio passen würden. Doom-Metal sagen einige, andere vergleichen die Musik mit der der Beatles, nur mit satanischen Texten. Hinter „Come together“ heißt es bei Ghost denn auch nicht „Right now, over me“ sondern „for Lucifers son.“

Das Hamburger Publikum geht gut mit bei der okkulten Show irgendwo zwischen Metal-Konzert und schwarzer Messe. Die Band spielt Songs aus den ersten Alben und dem aktuellen „Meliora“, das im Heimatland Schweden nach Erscheinen Platz 1 der Albumcharts immerhin zwei Wochen lang belegte. Beim munteren Song „Year Zero“ kommt lockere Party-Stimmung auf, während die Band bei „Guleh“ eine melancholische Ruhe erzeugt. Nur um dann wieder etwas härter loszubrettern. Zum Schluss, so die Tradition, singen alle zusammen „Monstrance Clock“ -  das okkulte „Come Together“.

Trotz der Masken ist den Musikern die Spielfreude anzusehen und das Publikum wird mitgezogen. Ein Gitarrist legt immer wieder genussvoll den Kopf in den Nacken. Papa Emeritus verteilt zwischendurch sogar Handküsse an die Besucher, die die Band ausgelassen feiern. Das Gruselimage täuscht: Ghost ist mit Hamburg auf Kuschelkurs. Und zum Schluss zeigt einer der Namenlosen seine zum Herz geformten Hände entgegen.

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