Psychische Erkrankungen : Depressionen und Ängste in Hamburg „ein ernsthaftes Problem“

Psychische Erkrankungen wie Depressionen
Psychische Erkrankungen wie Depressionen sorgen für hohe Fehlzeiten in der Hamburger Arbeitswelt.

Hamburg bleibt Spitzenreiter bei den psychischen Erkrankungen. In keinem anderen Bundesland sind Seelenleiden die häufigste Begründung für Krankschreibungen. Zu diesem Ergebnis kommt der DAK-Gesundheitsreport 2014.

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18. März 2014, 13:39 Uhr

Hamburg | Depressionen und Angststörungen sind in Hamburg weiterhin der Hauptgrund für Krankschreibungen. In keinem anderen Bundesland ist dies der Fall, wie der am Dienstag vorgestellte Gesundheitsreport 2014 der Krankenkasse DAK ergab. Der Anteil an allen Ausfalltagen lag im vergangenen Jahr bei knapp 20 Prozent. „Die zahlreichen Fehltage durch psychische Erkrankungen sind ein ernsthaftes Problem in der Stadt“, sagte die Landeschefin der DAK-Gesundheit, Regina Schulz.

Eine Langzeitanalyse zeigt, dass die Ausfallzeiten durch psychische Probleme in den vergangenen 13 Jahren um knapp 60 Prozent gestiegen sind. Jedoch habe es im Vorjahresvergleich eine Stagnation gegeben, betonte Schulz. Der Krankenstand in der Hansestadt hat sich insgesamt leicht erhöht. Ein Beschäftigter fehlte 2013 durchschnittlich 13,4 Tage im Job. Hamburg blieb damit allerdings unter dem bundesweiten Wert von 14,6 Tagen.

Nach den Seelenleiden sind Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, etwa Rückenschmerzen, mit 18,7 Prozent und Krankheiten des Atmungssystems mit 17,1 Prozent die häufigsten Ursachen für Fehltage. Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand waren die öffentliche Verwaltung sowie das Gesundheitswesen. Das IGES Institut aus Berlin hatte für den Report Daten von 75.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten aus Hamburg ausgewertet.

Einen Schwerpunkt legte die Krankenkasse bei ihrer Auswertung auf die gesundheitliche Situation der 25- bis 39-Jährigen, die sich nach Worten von Soziologen in der „Rushhour des Lebens“ befinden. Denn in kürzerer Zeit als früher sollen junge Hamburger vieles meistern: Den richtigen Lebenspartner finden, Kinder bekommen und gleichzeitig noch im Beruf erfolgreich sein.

Nach Angaben der DAK lässt sich diese Altersgruppe nur sehr selten krankschreiben, obwohl sie stark unter Druck steht. Die jungen Hamburger fehlen noch seltener als die Altersgenossen im Bund wegen Krankheit: Die Zahl der Ausfalltage liegt 14 Prozent unter dem Bundesschnitt. Schulz betonte jedoch: „Sollen diese besonders beanspruchten jüngeren Arbeitnehmer bis zum 67. Lebensjahr produktiv bleiben, müssen die Arbeitgeber nachhaltiger in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren.“ 

Eine Befragung ergab zudem, dass berufstätige Hamburger Eltern viel weniger Sport treiben und weniger Schlaf bekommen als Kinderlose. Viele Mütter und Väter im Spagat zwischen Job und Kindern machten Abstriche bei sich selbst, sagte Schulz. „Erste Anzeichen für spätere chronische Erkrankungen sind ernst zu nehmen.“

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