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Totes Hamburger Pflegekind : Chantals Methadon-Tod: eine folgenschwere Verwechslung

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Vor einem Jahr starb das Mädchen Chantal in der Hamburger Wohnung ihrer Pflegeeltern an einer Methadontablette. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Ein Sonderausschuss wird am Donnerstag einen Abschlussbericht mit Forderungen an den Senat vorlegen. Ein Überblick über die Hintergründe des Falls.

Am 16. Januar vergangenen Jahres starb die elfjährige Chantal an einer Methadontablette. Das Mädchen lebte bei ihren drogensüchtigen Pflegeeltern im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg und war unter Aufsicht des Jugendamtes. Das Oberlandesgericht Hamburg hat gegen die Pflegeeltern ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet, da beide ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt hätten. Der Fall warf viele Fragen auf und führte zu Kritik an der Jugendarbeit. Um zu klären, wie es dazu kommen konnte, dass Chantal an die für sie tödliche Tablette gekommen ist, wurde im April vergangenen Jahres ein Sonderausschuss eingesetzt. Dieser beleuchtet auch die Strukturen und Abläufe der Jugendhilfe und diskutiert über mögliche Verbesserungen des Kinderschutzes. Am Donnerstag wird der Ausschuss einen Entwurf seines Abschlussberichtes mit Forderungen an den Senat vorlegen.

Wieso hat Chantal die Methadontablette genommen?

Die Untersuchungen des Falls haben ergeben, dass die elfjährige Chantal am Abend des 15. Januars 2012 über Unwohlsein geklagt habe. Daraufhin habe sie eine von den Pflegeeltern ungesichert liegen gelassene Methadontablette eingenommen, weil sie dachte, dass es sich hierbei um ein Medikament gegen ihre Übelkeit handelte.

Was ist Methadon?

Methadon ist ein synthethisch hergestelltes Opioid, das eine schmerzstillende Wirkung hervorruft. Das Mittel wird vor allem in Abgabeprogrammen für Heroinabhängige eingesetzt und gilt als eine der wirksamsten Therapien überhaupt.

Welche Vorschriften gibt es für die Aufbewahrung von Methadon?

Im Fall der verstorbenen Chantal haben die Pflegeeltern ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt, da sie nicht sichergestellt hätten, dass die Tabletten sicher und unerreichbar für das Mädchen gelagert sind.

Der familienpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion Christoph de Vries forderte, dass Eltern minderjähriger Kinder Ersatzdrogen wie Methadon nicht mit nach Hause nehmen dürfen. Außerdem forderte er, dass eine Methadon-Vergabe von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden werde, damit Ärzte und Jugendämter sich zum Schutz der Kinder austauschen können.

 

Wieso hatten Chantals Pflegeeltern Methadon in ihrer Wohnung?

Die Pflegeeltern von Chantal waren Heroinabhängig und nahmen seit mehreren Jahren an einem Methadonprogramm teil und waren daher auch im Besitz der Methadontabletten.

 

 

Welche Maßnahmen wurden bisher ergriffen?

Die Hamburger Sozialbehörde hatte nach Chantals Tod bereits mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Arbeit der Jugendämter zu verbessern. Unter anderem wurden die Richtlinien für Pflegeeltern verschärft und die Zahl der unbesetzten Stellen in den Jugendämtern verringert.

Die seit Frühjahr tätige Jugendhilfe-Inspektion, die die Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in den Jugendämtern überprüft, soll alle zwei Jahre ihre Ergebnisse in einem Bericht an die Bürgerschaft veröffentlichen, berichtete de Vries, Mitglied des Sonderausschusses. Notwendige Konsequenzen könnten dann transparent beraten werden. Seiner Ansicht nach hat die Inspektion aber weiterhin keine Rechte, um bei den Jugendämtern direkt zu intervenieren. Dabei sei das zwingend notwendig, erklärte der CDU-Politiker.

 

 
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erstellt am 24.Sep.2013 | 17:43 Uhr

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