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Sonderausschuss in Hamburg : Chantals Methadon-Tod: CDU sieht SPD „mutlos“

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Länger als ein Jahr berät ein Sonderausschuss der Hamburger Bürgerschaft über den Tod des Pflegekindes Chantal und die Konsequenzen. Der CDU geht der geplante Abschlussbericht nicht weit genug. Die Vergabe von Methadon an drogenabhängige Eltern sei zu lasch.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 07:57 Uhr

Kurz vor dem Abschluss des Sonderausschusses zum Methadon-Tod des Hamburger Pflegekindes Chantal hat die CDU dem SPD-Senat Halbherzigkeit beim Kinderschutz vorgeworfen. „Die nach dem Tod des Mädchens gemeinsam ergriffenen Maßnahmen sind richtig. Bedauerlich ist aber die Mutlosigkeit der SPD, wenn es um weitreichende Schritte zur Sicherung und zum Schutz des Kindeswohls geht“, sagte der familienpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Christoph de Vries. Am Donnerstag will der Ausschuss einen Entwurf seines Abschlussberichtes mit Forderungen an den Senat vorlegen.

So soll die seit Frühjahr tätige Jugendhilfe-Inspektion, die die Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in den Jugendämtern überprüft, alle zwei Jahre ihre Ergebnisse in einem Bericht an die Bürgerschaft veröffentlichen, berichtete de Vries, Mitglied des Sonderausschusses. Notwendige Konsequenzen könnten dann transparent beraten werden. Seiner Ansicht nach hat die Inspektion aber weiterhin keine Rechte, um bei den Jugendämtern direkt zu intervenieren. Dabei sei das zwingend notwendig, erklärte der CDU-Politiker.

Zu lasch bleibe in Hamburg zudem die Vergabe von Methadon an drogenabhängige Eltern - davon betroffen seien nach Angaben des Senats 1100 Kinder, kritisierte de Vries. Unerfüllt sei bislang auch die Forderung der CDU, dass Eltern minderjähriger Kinder solche Ersatzdrogen nicht mit nach Hause nehmen dürfen. Damit Ärzte und Jugendämter sich zum Schutz der Kinder austauschen könnten, müsse eine Methadon-Vergabe außerdem mit einer Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht verbunden werden, forderte de Vries.

Chantal war im Januar 2012 in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern an einer Überdosis des Ersatzstoffes Methadon gestorben. Das Mädchen stand dabei unter der Aufsicht des Jugendamts. Im April vergangenen Jahres setzte die Bürgerschaft den Sonderausschuss ein. Er sollte die Umstände aufklären, die zum Tod des Mädchens aus dem Stadtteil Wilhelmsburg geführt hatten. Das Gremium beleuchtete Strukturen und Abläufe und diskutierte über mögliche Verbesserungen des Kinderschutzes.

Laut CDU einigte sich der Sonderausschuss unter anderem auf verbindliche Vorgaben, wie Mitarbeiter des Jugendamtes bei Abwesenheit Fälle und Akten übergeben müssen. Außerdem sollen standardisierte Verträge künftig dafür sorgen, dass auch freie Träger Aufgaben bei der Betreuung von Pflegekindern einheitlich erledigen.

Die Hamburger Sozialbehörde hatte nach Chantals Tod bereits mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Arbeit der Jugendämter zu verbessern. Unter anderem wurden die Richtlinien für Pflegeeltern verschärft und die Zahl der unbesetzten Stellen in den Jugendämtern verringert.

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