Dorthe Landschulz im Interview : „Cartoons sind eine Art Ventil“

Dorthe Landschulz ist Cartoon-Zeichnerin aus Hamburg.
Dorthe Landschulz ist Cartoon-Zeichnerin aus Hamburg.

Die Hamburgerin Dorthe Landschulz verbreitet von Nordfrankreich aus norddeutschen Humor im Internet. Im Interview spricht sie über Humor-Grenzen, Facebook und Mohammed.

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14. Mai 2015, 18:07 Uhr

Wie kommt man bloß auf die Idee, Cartoon-Zeichnerin zu werden?
Ich habe Illustration studiert und wollte schon immer irgendwas mit Kunst machen. Aber was genau, wusste ich nicht. Und dass ich so einen Hang zum Humor habe, ist mir selbst nie aufgefallen. Mit Cartoons hatte ich gar nicht so viel zu tun, aber dann habe ich die Bücher von Gary Larson entdeckt. Die fand ich sehr witzig. Das war mein erster Berührungspunkt mit Cartoons, ich bin damals aber noch nicht auf die Idee gekommen, dass ich das mal selber machen könnte.

Die Cartoons von Dorthe Landschulz gibt es auf ihrer Facebookseite Ein Tag ein Tier oder jeden Donnerstag auf der Facebookseite von shz.de.

Wie kam es dann dazu?
Ich hatte zwischendurch etwas ganz anderes gemacht -  ich habe eine Bar und Diskothek in Paris geführt. Um überhaupt wieder zu zeichnen, habe ich mir vorgenommen, jeden Tag ein Tier zu zeichnen. Überhaupt gar nicht mit dem Anspruch, dass das lustig sein sollte. Aber es wurden ganz schnell lustige Tiere, mit Wortspielen. Dann habe ich die Facebook-Seite „Ein Tag ein Tier“ erstellt und tatsächlich jeden Tag ein Tier gepostet. So wurden es immer mehr. Irgendwann habe ich mich dann von den Tieren gelöst und auch andere Sachen gemacht, Tagesaktuelles und Politisches. Das war ein ganz organischer Prozess. Das kam einfach so mit der Zeit.

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Wie sind Sie denn nach Paris gekommen?
Ich bin in Hamburg geboren, habe da auch studiert und wollte da eigentlich auch nie weg. Als ich für ein Studienjahr nach Paris gegangen bin, dachte ich, ich komme danach wieder nach Hause. Aber wie das immer so ist, habe ich mich in einen Franzosen verliebt und seitdem lebe ich in Nordfrankreich.

Wie behält man in Paris oder der Bretagne den norddeutschen Humor bei?
Das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum ich humoristische Zeichnungen mache. Eben weil ich hier in Frankreich, vor allem in Paris, so wenig von Leuten umgeben war, die meinen Humor verstanden hätten. Ich war die ersten Jahre auch noch gar nicht wirklich fähig, auf Französisch Witze zu machen. Deswegen waren die Cartoons für mich eine Art Ventil. Der Humor hat sich ganz automatisch erhalten und aufgestaut und muss jetzt mal raus.

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Man sagt ja den Norddeutschen nach, dass sie einen ganz trockenen, drögen Humor haben. Stimmt das?
Ja, irgendwie schon. Ich mag’s ja auch ganz gern so ein bisschen fiese. Nur niedlich und nett -  so „Haha“ - das ist nicht so mein Ding.

Was für Reaktionen gab es denn bisher auf die Cartoons?
Meistens sind die sehr positiv. Ich bekomme bei Facebook viele nette Kommentare. So habe ich ja überhaupt durchgehalten, weil ich jemand bin, der sehr viel an sich selbst zweifelt. Wenn ich diese Facebook-Unterstützung von Leuten, denen meine Sachen gefallen haben, nicht gehabt hätte, hätte ich das irgendwann bestimmt gelassen. Ab und zu gibt es aber auch mal Cartoons, wo es negative Reaktionen gibt und Leute sagen: „Das geht gar nicht“.

Bei welchem Cartoon zum Beispiel?
Vor einiger Zeit, als es mit den IS-Enthauptungen so extrem war, war gleichzeitig diese Ice Bucket Challenge so populär. Ich habe das dann verbunden und habe die IS Steel Sword Challenge gezeichnet. Da kniet ein Terrorist und ein anderer ist bereit, mit dem Schwert zuzuschlagen. Der der kniet sagt: „Ich nominiere Hakim, Yussuf und Mustafa…“. Da haben einige Leute sehr extrem reagiert. Ich glaube, die haben nicht verstanden, dass da ein Terrorist von einem Terroristen geköpft wird und nicht ein armer TV-Journalist. Einige meinen auch, darüber dürfe man gar keine Witze machen, weil das zu schrecklich ist. Aber gerade dieser Cartoon ist auch wahnsinnig oft geteilt und geliket worden. Auch bei meinem Cartoon über Saudi Arabia’s Next Topmodel war ich über die negativen Reaktionen überrascht. Da gab es ein paar Leute, die sich beschwert haben.

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Darf man denn über manche Sachen keine Witze machen?
Ich würde erstmal sagen, man darf über alles Witze machen. Es ist ja nach „Charlie Hebdo“ die große Diskussion gewesen, was Satire darf. Ich fände es blöd, wenn man Grenzen von außen setzt. Wenn, dann sollte jeder Cartoonist oder Satiriker für sich selbst herausfinden, ob er über irgendwas keine Witze machen möchte. Nicht, dass sich jeder verdammt dazu fühlt, Mohammed-Karikaturen zeichnen zu müssen.

Würdest du Mohammed-Karikaturen zeichnen?
Ich glaube eher nicht. Ich habe Kinder und ich will da keinen Ärger kriegen, ehrlich gesagt. Ich finde es wirklich sehr mutig, was die Leute von „Charlie Hebdo“ gemacht haben. Ich finde das auch unterstützenswert. Aber ich glaube nicht, dass jetzt jeder anfangen muss, Mohammed-Karikaturen zu zeichnen, nur um zu zeigen, dass er keine Angst hat. Wobei mich diese Angst schon auch auf die Palme bringt. Ich finde aber, man kann dieses Thema auch anders angehen. Man muss jetzt nicht plump anfangen, Mohammed-Karikaturen zu zeichnen, nur um zu provozieren. Die Titanic hat z.B. in der ersten Ausgabe nach den Anschlägen das Mohammed-Thema auf eine sehr schlaue Art behandelt. Sie hatten auf der Titel-Seite das Mohammed-Suchbild gemacht, ein Wimmelbild, wo man nicht wusste, ob eine der Figuren Mohammed ist.

Sind Cartoons lustiger, die einige Leute ausschließen?
Es gibt ja verschiedene Arten von Cartoons. Es gibt da diese Massenware, die von Hunderttausenden Leuten gemocht wird. Und dann gibt es auf dem ganz anderen Ende der Skala Sachen wie Rattelschneck, die einen sehr speziellen Humor haben und das gefällt dann weniger Leuten. Ich mag beides und mache ja auch beides. Ich mache manchmal echt platte Wortwitze, Massenware kann man sagen. Aber ich möchte auch weiterhin Cartoons machen, die eine Haltung zu einem Thema rüberbringen und nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken anregen. Ich setze mir jedenfalls keine Grenzen. So lange ich selber lustig finde, was ich da mache, kann ich hinter allem stehen.

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Kann man denn vom Cartoon-Zeichnen leben?
Es ist mittlerweile mein Hauptberuf. Ich habe das Glück, dass ich damit genug Geld verdienen kann. Es ist aber schon schwierig, weil die meisten Zeitungen nicht so gerne viel Geld zahlen für Cartoons. Deswegen ist man schon sehr bescheiden geworden, was die Honorare angeht. Ich habe das Glück, dass verschiedene Dinge zusammen kommen. Ich  kriege z.B. Aufträge für irgendwelche Unternehmensberater-Konferenzen, die für ihre Präsentationen Cartoons haben wollen. Ich mache auch Bücher und habe eine große Ausstellungsreihe für die Deutsche Bahn, wo die Cartoons in verschiedenen Deutschen Hauptbahnhöfen ausgestellt werden.

Ist Facebook eher ein Fluch oder ein Segen?
Für mich ist das eher ein Segen. Ohne meine Facebook-Seite wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Dass die Leute meine Cartoons teilen, finde ich positiv. Je mehr geteilt wird, desto mehr Leute kriegen das mit und ich kann darüber dann Werbung für meine Bücher machen. Was ich allerdings nicht so mag, ist, wenn Leute (vor allem gewerbliche Seitenbetreiber) meine Cartoons runterladen und dann ohne den Link zu meiner Seite weiterverbreiten. Das bringt mir dann rein gar nichts und ist außerdem illegal. Stichwort Urheberrecht. Aber mit so etwas muss man rechnen, wenn man Cartoons ins Netz stellt. Für mich überwiegt aber auf jeden Fall der Nutzen, viele Facebook-Freunde zu haben. Zurzeit sind es um die 14.000 Fans.

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