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Hamburger Schulsystem : Brandbriefe der Stadtteilschulen: „Zwei-Säulen-Modell gescheitert“

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Weil fast alle Leiter von Hamburgs Stadtteilschulen an den Grundfesten des Zwei-Säulen-Modells rütteln, haben gleich drei Fraktionen eine Aktuelle Stunde im Parlament beantragt.

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erstellt am 29.Jun.2016 | 07:15 Uhr

Hamburg | Der Brandbrief fast aller Stadtteilschulleiter hat ein parlamentarisches Nachspiel. Gleich drei Fraktionen - FDP, CDU und Grüne - haben für Mittwoch eine Aktuelle Stunde zur Forderung nach einer „Schule für alle“ angemeldet. In einem von 51 der 58 Schulleiter unterzeichneten Positionspapier hatten diese darauf hingewiesen, dass in diesem Jahr nur noch 42 Prozent der neuen Fünftklässler auf eine Stadtteilschule wechseln würden. Der Rest gehe aufs Gymnasium.

„Setzt sich dieser seit Jahren andauernde Trend fort, werden im Jahr 2020 etwa 70 Prozent aller Hamburger Schüler das Gymnasium besuchen“, heißt es in dem Papier. „Damit wäre das Zwei-Säulen-Modell gescheitert.“ Das Zwei-Säulen-Modell aus Stadtteilschule und Gymnasium war nach einem erbitterten politischen Streit und einem Volksentscheid zur letztlich abgelehnten Primarschule erst vor sechs Jahren etabliert worden. Bei der Einführung hatten sich mit Ausnahme der Linken alle damals in der Bürgerschaft vertretenen Parteien zu einem zehnjährigen Schulfrieden bekannt, damit sich das neue Modell ohne weitere Störungen entfalten kann. Beide Schulformen führen zum Abitur, die Stadtteilschule nach neun, die Gymnasien nach acht Jahren.

Aus Sicht der Schulleiter bestätigt die jüngste Anmelderunde den Trend der sozialen Ausgrenzung. „Die Hamburger Politik muss dafür sorgen, dass die Heterogenität in unserer Stadt hergestellt wird, dass sozial Schwache und auch die Zuwanderer in die Mitte unserer Gesellschaft gerückt werden und nicht an Ränder abgeschoben werden.“ Ein Teil sei dabei das Schulsystem. „Wir Schulleiter (...) sind überzeugt, dass die Herausforderungen in unserer Stadt, eine moderne, vielfältige Gesellschaft zu leben, die sozial, demokratisch, gerecht und chancenreich ist, mit der einen Schule für alle Schülerinnen und Schüler bewältigt werden kann.“

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