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Bissiger Exot in der Ostsee

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Ein dänischer Hobbyfischer hat im Öresund einen Riesenpacu im Netz gehabt - der Piranha-Verwandte kann auch Schwimmern gefährlich werden

kopenhagen/kiel | Peter Rask Møller, Fischexperte am Naturhistorischen Museum der Universität Kopenhagen, empfiehlt, auch beim Baden in Schleswig-Holstein wachsam zu sein: "Wenn es noch mehr Pacus im Öresund geben sollte - dann können sie auch bis an die deutsche Küste schwimmen", sagte der Wissenschaftler gegenüber unserer Zeitung. Er ist mit einem bisher nie dagewesenen Phänomen konfrontiert: In der Ostsee vor der dänischen Hauptstadt ist einem Hobby fischer eine mit dem Piranha verwandte Art ins Netz gegangen. Zusammen mit Aalen und Barschen hat er einen 21 Zentimeter langen Riesen-Pacu an Land gezogen.

Ursprünglich war der Fisch nur in Südamerika beheimatet, hat sich mittlerweile aber auch in die USA und nach Asien ausgebreitet. Selbst vor Polen ist schon ein Exemplar aufgetaucht. Pacus können bis zu 25 Kilo schwer und 90 Zentimeter lang werden. Sie gelten als extrem bissig. Zwar ernähren sie sich anders als Piranhas überwiegend vegetarisch. Wegen einer Vorliebe für Nüsse jedoch, warnt Rask Møller, verwechseln Pacus offenbar leicht männliche Hoden mit dieser Frucht. Es seien mehrere Fälle teils tödlicher Attacken dokumentiert, vor allem in Asien.

Dass sich der gefährliche Exot auf natürlichem Weg in dänische Gewässer vorgearbeitet hat, hält der Kopenhagener Wissenschaftler für "extrem unwahrscheinlich". Er glaubt: "Auf irgendeine Weise hat das Auftauchen mit dem Menschen zu tun." Am naheliegendsten sei es, "dass ein privater Aquarienbesitzer den Pacu ausgesetzt habe. "Wahrscheinlich ist ihm der Fisch darin zu groß geworden, nachdem er ihn in einem kleinen Stadium gekauft hatte." Dass der Eigentümer gleich mehrere Exemplare gehalten und ausgesetzt hat, hält Rask Møller für durchaus denkbar. "Es ist ja durchaus üblich, dass ein Halter von einer Art nicht nur einen einzigen Vertreter anschafft."

Nach allem, was die Experten wissen, verträgt der Pacu keine Wassertemperaturen unterhalb von acht Grad. "Ein ganzer Bestand wird den Winter in der Ostsee nicht überleben", schlussfolgert der Mann von der Uni Kopenhagen. Aber einzelne Exemplare etwa doch? Völlig auszuschließen sei dies nicht, wenn sie Stellen finden, an denen Kühlwasser aus Kraftwerken ins Meer gelassen wird und dieses die Ostsee lokal erwärmt. Das komme gerade an der dänischen Küste mehrfach vor, hält Rask Møller ein bisschen Spannung aufrecht.

Professor Thorsten Reusch vom Kieler Geomar-Institut hält es ebenfalls für unwahrscheinlich, dass der Pacu durch den Atlantik geschwommen ist. Fische, die ihre Heimat ursprünglich in südlichen Gewässern hatten, gib es aber in der Ostsee einige. So verirrt sich schon mal ein Schwertfisch, der in warmen bis tropischen Meeren zu Hause ist, in die Ostsee. Bis zu 1,90 Meter groß können diese Fische werden. Auch die Dorade, beliebter Speisefisch aus dem Mittelmeer, wurde in der Ostsee gefangen. "Schwertfisch und Dorade sind Irrläufer, die im Sommer von der Biskaya in die Nordsee geraten, dann um Dänemark herum auch mal die Ostsee erreichen", weiß Reusch.

Andere fremde Arten wie die Meeräsche werden dagegen heimisch in der Ostsee. "Der Grund ist die Erwärmung, die durchschnittliche Wassertemperatur stieg in den vergangenen 30 Jahren um ein bis eineinhalb Grad", erklärt Reusch. Seit etwa zehn Jahren sind Meeräschen, die früher nur im Nordostatlantik, der südlichen Nordsee und im Mittelmeer vorkamen, auch in der Ostsee anzutreffen. Die etwa 30 Zentimeter großen Fische halten sich gerne direkt am Ufer auf.

"Im Sommer rufen bei uns immer wieder Leute und fragen, was das für ein Fisch sei", berichtet Reusch, der mit einer weiteren Erwärmung der Ostsee rechnet - und somit auch mit mehr exotischen Fischen.

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erstellt am 14.Aug.2013 | 03:09 Uhr

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