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Prozess gegen Nonnenmacher : Bewährungsstrafen für Ex-HSH-Manager gefordert

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Für die Staatsanwaltschaft steht fest: Dirk Jens Nonnenmacher und fünf weitere Ex-Manager der HSH-Nordbank veruntreuten Millionen. Die Höhe des wirtschaftlichen Schadens beziffert die Behörde in ihrem Plädoyer auf 52,6 Millionen Euro. Sie fordern Bewährungsstrafen.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2014 | 15:47 Uhr

Hamburg | Das Gefängnis bleibt ihnen wohl erspart: Der ehemalige Vorstandschef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, und fünf seiner früheren Vorstandskollegen kommen im Hamburger Untreueprozess voraussichtlich mit Bewährungsstrafen davon – wenn es nicht sogar Freisprüche gibt. Nach zehnmonatiger Prozessdauer sah die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht zwar den Vorwurf der schweren Untreue als erwiesen an und bezifferte den Schaden auf 52,6 Millionen Euro. Dennoch forderten die Ankläger am Mittwoch lediglich Bewährungsstrafen zwischen zehn und 22 Monaten. Die HSH Nordbank stand 2008 vor der Pleite und musste mit Milliardenbeträgen aus Steuergeld der Eigner Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden.

Für Nonnenmacher, als „Dr. No“ mediales Gesicht und Hauptsündenbock für die Fastpleite der Landesbank, lautet der Strafantrag auf ein Jahr und drei Monate Haft, zuzüglich einer Geldbuße von 150.000 Euro. Zum Zeitpunkt der angeklagten Vorgänge war er Finanzvorstand, stieg 2008 zum HSH-Chef auf und musste nach diversen Skandalen 2011 gehen. Mit ihm auf der Anklagebank sitzen der damalige HSH-Chef Hans Berger sowie die Vorstände Joachim Friedrich, Peter Rieck, Hartmut Strauß und Bernhard Visker.

Beobachter erwarten nicht, dass die Wirtschaftsstrafkammer nun noch über ein Strafmaß von zwei Jahren hinausgeht, ab dem Haftstrafen abgesessen werden müssen. Die Anträge der Ankläger bewegen sich bereits am unteren Rand des Strafrahmens von bis zu zehn Jahren für schwere Untreue. Kommende Woche beginnen die Verteidiger ihre Plädoyers, die durchweg auf Freispruch lauten dürften. Die Angeklagten haben die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Das Urteil könnte Mitte Juli fallen.

Sechs Stunden dauerte das Plädoyer der beiden Staatsanwälte im einzigen deutschen Prozess um die Bankenkrise, bei der ein kompletter Bankvorstand vor den Kadi muss. An der Schuld der Angeklagten bestehe kein Zweifel, so Staatsanwalt Karsten Wegerich. Sie hätten „grob pflichtwidrig“ gehandelt. „Im Blindflug“ und wie „Frühstücksdirektoren“ habe der Vorstand Ende 2007 die ebenso undurchschaubare wie hochriskante Finanztransaktion „Omega 55“ abgesegnet. Aus dem Geschäft resultierte ein Vermögensschaden von 43,6 Millionen Euro, zuzüglich neun Millionen an Transaktionskosten. Wegerich korrigierte damit den anfänglich genannten Betrag von 145 Millionen zwar deutlich nach unten, dennoch handele es sich um einen „ungeheuerlichen“ Schaden.

Die Banker hätten dem Deal auf Grundlage einer „völlig mangelhaften“ Kreditvorlage nach nur „marginaler Prüfung“ zugestimmt, so die Ankläger. Bei dem Überkreuzgeschäft mit der französischen Bank BNP Paribas verlagerte die HSH zeitweise Immobilienkredite von zwei Milliarden Euro auf die Franzosen, musste im Gegenzug aber für 400 Millionen Euro Risiken aus hoch volatilen BNP-Derivaten tragen. Die verloren in der Weltfinanzkrise dramatisch an Wert, das Nachsehen hatten die Landesbanker aus Norddeutschland. Denn die „Omega“-Konstruktion aus diversen Zweckgesellschaften war so gestaltet, dass sämtliche Risiken bei der Nordbank landeten. Die Bankverantwortlichen hätten dies billigend in Kauf genommen, befand Wegerich. „Triebfeder war der Ehrgeiz des Vorstandes, einen Börsengang herbeizuführen.“ Das Verschieben der Kredite habe die Eigenkapitallage verbessern sollen. Allerdings sagte der Staatsanwalt auch ausdrücklich: Den Bankern sei es bei alledem nicht um persönliche Bereicherung gegangen.

Für Nonnenmacher und den früheren Kapitalmarktvorstand Joachim Friedrich hält die Anklage zusätzlich den Vorwurf der Bilanzfälschung für belegt. Beide hätten geduldet, dass der Wert von „Omega 55“ im ersten Quartal 2008 um 112 Millionen Euro zu hoch angegeben wurde. So drehte die Nordbank ihre in Wahrheit negative Gesamtbilanz ins Plus.

Mit Unverständnis reagierte die Staatsanwaltsschaft auf Angaben Nonnemachers, sein monatliches Einkommen betrage derzeit 1000 Euro. „Wir können den Angeklagten nicht wie einen gehobenen Hartz-IV-Empfänger behandeln“, zweifelte Wegerich. Nach Schätzungen der Anklage liegt der „Marktwert“ des Mathematikprofessors bei 360.000 Euro jährlich. Daraus ergab sich die geforderte Geldbuße von 150.00 Euro. Diese liegt höher als bei den Mitangeklagten, die zwischen 40.000 und 100.000 zahlen sollen. Grund: Nonnenmacher muss als Einziger seine Prozesskosten nicht selbst tragen, da die Nordbank diese übernimmt.

So oder so steht für den ehemaligen HSH-Boss viel Geld auf dem Spiel. Die Länder Hamburg und Schleswig-Hostien hatten beschlossen, dass Nonnenmacher seine Abfindung zurückzahlen muss, sollte er rechtskräftig verurteilt werden. Die lag bei stolzen vier Millionen Euro.

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