Hamburg : "Bahnhofs-Sheriffs" auf den Geisterbahnhöfen

In Hamburgs U- und S-Bahnen fährt häufig die Angst mit.  Foto: Jahr
In Hamburgs U- und S-Bahnen fährt häufig die Angst mit. Foto: Jahr

Nach brutalen Übergriffen macht Hamburg den S-Bahn-Verkehr sicherer: "Bahnhofs-Sheriffs" sollen präsent sein, wo Bahnsteige ohne Personal auskommen.

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07. Juli 2011, 08:34 Uhr

In Hamburgs U- und S-Bahnen fährt häufig die Angst mit. Immer wieder sorgen spektakuläre Gewalttaten in öffentlichen Verkehrsmitteln für ein mulmiges Gefühl, wie im Mai 2010, als ein 19-Jähriger wegen einer Nichtigkeit am Bahnhof Jungfernstieg erstochen wurde. Der neue Senat will den ÖPNV in der Metropole deshalb nun deutlich sicherer machen. Innensenator Michael Neumann: "Wir erhöhen die Zahl der Sicherheitsmitarbeiter um ein Viertel."
Das hatte die SPD im Wahlkampf versprochen, jetzt will sie liefern. Und das, obwohl die Zahl erfasster Straftaten in Zügen und auf Bahnsteigen zuletzt sogar rückläufig war. 2010 wurden 417 Gewalttaten im Hamburger ÖPNV gezählt, 120 weniger als 2009.
Unbewaffnete "Bahnhofs-Sheriffs"
Neumann und Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) schlossen gestern eine Vereinbarung mit Polizei, Bundespolizei, HVV, S-Bahn und Hochbahn, um Straftaten zu verringern, vor allem aber um Fahrgästen die Angst zu nehmen; zudem verabredeten alle Beteiligten eine engere Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen.
Die wichtigste Verbesserung aber soll im vermehrten Einsatz von Sicherheitspersonal liegen. Laut Vereinbarung stellt die Hochbahn dazu 60 zusätzliche Mitarbeiter ein, die S-Bahn weitere 50. Nach einer gründlichen Ausbildung sollen die unbewaffneten "Bahnhofs-Sheriffs" Anfang 2012 ihren Dienst aufnehmen. Die Personalkosten von vier Millionen Euro jährlich trägt die Stadt.
Sicherheit für "Geisterbahnhöfe"
Verstärkte mobile Streifen in Bahnhöfen sowie in U- und S-Bahnen sollen dann dem beklemmenden Gefühl von "Geisterbahnhöfen" entgegenwirken. Da die Zugabfertigung längst vollautomatisch erfolgt, sitzen an den Bahnsteigen keine Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen mehr. Abends und nachts wirken manche Stationen wie ausgestorben. Die neuen Sicherheitskräfte sollen dort Flagge zeigen, Straftäter abschrecken und Passagieren ein beruhigendes Gefühl vermitteln.
Vereinbart wurde ferner die Erstellung gemeinsamer Lagebilder zwischen den verschiedenen Stellen, um die Sicherheitskräfte bei besonderen Anlässen wie Großveranstaltungen gezielter einzusetzen. Und: Die beiden großen Verkehrsunternehmen räumen sich gegenseitig Hausrecht für ihre Anlagen ein. Damit darf die Hochbahn-Wache künftig Streife auf S-Bahnhöfen laufen und umgekehrt. Zur Sicherheit der Fahrgäste soll vom 1. September an auch ein Alkoholverbot in Bussen und Bahnen des HVV beitragen.
(mlo, shz)

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