zur Navigation springen

Regionaler Wohlfahrtsindex : Armes, reiches Hamburg

vom

Immer stärker klaffen Arm und Reich in Hamburg auseinander. Diesen Schluss ziehen die Grünen in der Bürgerschaft aus dem Regionalen Wohlfahrtsindex (RWI).

Hamburg | Die Stadt der Millionäre hat ein Verteilungsproblem: Obwohl Hamburg materiell immer reicher wird, sinke in Wahrheit der Wohlstand an der Elbe: Diesen Schluss ziehen die Grünen in der Bürgerschaft aus dem ersten Regionalen Wohlfahrtsindex (RWI) für die Metropole. Deren wirtschaftspolitische Sprecher Anjes Tjarks sagte am Donnerstag bei der Vorstellung: „Während die Wirtschaftsleistung sich vervielfacht hat, stagniert die Zufriedenheit der Menschen mit ihrem Leben seit einem halben Jahrhundert.“ Tjarks fordert: Wohlstand müsse anders gemessen werden als allein über das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Im Auftrag der Grünen haben Wissenschaftler der Uni Heidelberg und der FU Berlin mit dem Hamburger RWI erstmals eine alternative Wohlstandserfassung für einen Stadtstaat vorgelegt. Ausgehend vom Basiswert 100 im Jahr 1999 haben sich demnach die Kurven bei den unterschiedlichen Messmethoden leicht, aber erkennbar auseinanderentwickelt. 2011, so die Autoren, war das Hamburger BIP auf 103 angestiegen, der RWI auf 97 gesunken. Tjarks: „Dabei wirkt sich in hohem Maße die soziale Spaltung der Stadt aus, aber auch Faktoren wie steigende Lärmbelastungen und die Kosten für Verkehrsunfälle spielen eine wichtige Rolle.“

Die Grünen sehen „klare Handlungsaufträge an die Politik.“
 Auch Mitautor Roland Zieschank von der FU Berlin erhofft sich von den Zahlen einen Anstoß für die Diskussion um gesellschaftliche Wohlfahrt in Hamburg und mahnt: „Diese Debatte braucht eine breite politische Öffentlichkeit.“

Zentrales Problem an der Elbe sei das immer stärkere Auseinanderklaffen von Arm und Reich, befand Grünen-Landeschefin Katharina Fegebank. So sagten die üblichen Durchschnittswerte etwa bei den Einkommen rein nichts aus, so die Sozialpolitikerin, die ein drastisches Beispiel wählte: „Wenn ein Fußball-Superstar mit zwölf Millionen Euro Jahreseinkommen nur eine Nacht im Winternotprogramm mit 700 mittellosen Menschen verbringt, liegt das monatliche Durchschnittseinkommen dieser Gruppe rechnerisch bei 1426 Euro pro Kopf.“

Anders als das BIP ermittelt der alternative Index Reichtum und Lebensqualität nicht ausschließlich anhand harter Wirtschaftsdaten. Unter den 20 berücksichtigten Komponenten  befinden sich etwa auch Hausarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten, die sich positiv auswirken. Vor allem aber solche mit negativen Folgen, etwa Verkehrsunfälle und Kriminalität. Erhoben werden zudem Ausgaben für die Reparatur von Umweltschäden, Luftverschmutzung, CO2-Emissionen sowie Ersatzkosten  für  den Verbrauch nicht erneuerbarer Energieträger  und  die  Kosten der Atomenergienutzung.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Mai.2014 | 19:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen