Hamburger Großprojekt : Antworten auf die häufigsten Fragen zur Elbphilharmonie

Warum wird die Elbphilharmonie immer teurer? Warum verzögert sich die Eröffnung immer weiter? shz.de gibt Antworten auf diese und weitere Fragen.

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02. März 2013, 11:36 Uhr

Hamburg | Die Elbphilharmonie sollte ersten Schätzungen zufolge 77 Millionen Euro kosten und 2010 fertig sein. Inzwischen liegen die Kosten bei 575 Millionen Euro - die Fertigstellung ist für 2016 geplant.
Warum wird die Elbphilharmonie so teuer?
Die Ursachen liegen in den Anfängen. "Alle drei Parteien - also die Stadt, der Baukonzern und die Architekten - haben das Projekt unterschätzt", sagte Hamburgs ehemalige Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Elbphilharmonie. Zweitens sei das Vertragswerk mit den Architekten und dem Baukonzern Hochtief "sehr kompliziert" gewesen. Drittens habe sich die Stadt zu spät mit den Risiken des Projekts beschäftigt, und viertens seien die Terminpläne der Architekten und der Baufirma nicht aufeinander abgestimmt gewesen. Außerdem sei das Konzerthaus-Projekt 2006/2007 überstürzt begonnen worden. "Der Vertragsschluss erfolgte zu einer Zeit, als wesentliche Kernpunkte des Projekts noch nicht feststanden."
Wer trägt dafür die Verantwortung?
Die Zeugen im Untersuchungsausschuss schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Die ehemaligen Mitglieder des CDU-Senats sagten, sie könnten sich an keine Details erinnern, da der frühere Chef der städtischen Realisierungs-Gesellschaft (ReGe), Hartmut Wegener, alles alleine entschieden habe. "Er hat seine Möglichkeiten völlig überschätzt", sagte von Welck. Wegener, der im Sommer 2008 gefeuert wurde, machte dagegen die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron für viele Probleme beim Bau des Konzerthauses verantwortlich. Diese hätten sich stets als "dritte Partei" und "nicht als rechte Hand des Bauherren" verhalten. Auch der Baukonzern Hochtief habe den Prozess mit immer neuen Geldforderungen ins Stocken gebracht.
Wird die Elbphilharmonie jetzt zügig zu Ende gebaut?
Auch nach einer Entscheidung mit Hochtief rechnet Bürgermeister Olaf Scholz mit sehr komplexen bautechnischen Fragen. "Das wird jetzt kein einfacher Bau, wenn wir die juristischen Fragen gelöst haben", sagte Scholz. Als mögliche Probleme werden immer wieder genannt: Der Konzertsaal für 2150 Besucher wurde so noch nie gebaut. Aus Schallschutzgründen ist der 12.500 Tonnen schwere Saal komplett vom restlichen Gebäude entkoppelt. Dazu wird der Saalkorpus mit zwei voneinander getrennten Schalen ausgeführt, die mit 362 Stahlfederpaketen verbunden sind. Auch die sogenannte "Weiße Haut", 10.000 am Computer einzeln gefräste Gipsfaserplatten für die Akustik, wurde noch nie gebaut, ebenso wenig der große Reflektor, der die Schallwellen im Saal verteilen soll.
Könnte man die Elbphilharmonie auch ohne Hochtief weiterbauen?
Diese Alternative hatte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) immer offen gelassen, sollte der Baukonzern nicht sämtliche Risiken für das Gebäude übernehmen. Dann würde die städtische Realisierungsgesellschaft (Rege) die Elbphilharmonie in Eigenregie weiterbauen. Den neuen "Pauschalfestpreis" für Hochtief von 575 Millionen Euro hält Scholz jedoch für die sinnvollere Variante. "Das ist ein Vorschlag, der wirtschaftlich vernünftig ist - und falls es teurer wird, sind es nicht die Risiken der Stadt, sondern die von Hochtief." Nach Einschätzung des Senats würde ein Bau in Eigenregie ebenfalls 200 Millionen Euro Mehrkosten bedeuten - und die Stadt müsste sämtliche Risiken alleine tragen.

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