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Sextäter bei Cyclassics : Am Rande des Erträglichen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2014 | 08:36 Uhr

Jens B. stellt unseren Rechtsstaat auf eine harte Probe. Der Sexualstraftäter säße als Sicherungsverwahrter wegen abscheulicher Verbrechen immer noch ein, wenn der Justiz vor langer Zeit nicht schwere Fehler unterlaufen wären. Denn der 54-Jährige ist laut Gutachtern wahrscheinlich auch heute noch gefährlich. Deshalb will ihn die Hamburger Polizei auch bei den Cyclassics nicht allein fahren lassen.

Schon die Vorstellung, dass Jens B. die hoffentlich durchtrainierten Beamten öffentlichkeitswirksam abhängen könnte, lässt Emotionen wieder hochkochen. Die meisten hatten ihn und die anderen

Ex-Sicherungsverwahrten in Deutschland bereits vergessen – und die Unsummen, die ihre Unterbringung plus Rundum-Überwachung uns Steuerzahler kosten.

Es wäre besser gewesen, ihn gar nicht erst starten zu lassen, obwohl er ein freier Mann ist – das muss im Ermessen des Veranstalters liegen. Denn diese skurrile Verfolgungsfahrt wird wieder die Hardliner zum Leben erwecken, denen martialische Parolen in solchen Fällen lieber sind als unser anstrengender und teurer Rechtsstaat.

Wir müssen Menschen wie Jens B. und Urteile wie jenes wegweisende des

Europäischen Gerichtshofs aushalten. Und die Entscheidung der Polizei respektieren, diesen Mann weiter zu überwachen – am Rande der juristischen Grauzone. Allerdings: Ob dies bis an sein Lebensende rund um die Uhr gelingen kann, darf bezweifelt werden. Deshalb hätte man diesen „Jedermann“ bei dem Rennen ruhig alleine strampeln lassen können.

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