Helmut Schmidt bei Olaf Scholz : Altkanzler beeindruckt auch ohne viele Worte

Ohne ein Wort zu sprechen wurde Altkanzler Helmut Schmidt zum Star eines Wahlkampfabends mit dem Hamburger SPD-Bürgermeisterkandidaten Olaf Scholz. Foto: dpa
Ohne ein Wort zu sprechen wurde Altkanzler Helmut Schmidt zum Star eines Wahlkampfabends mit dem Hamburger SPD-Bürgermeisterkandidaten Olaf Scholz. Foto: dpa

Ohne große Worte - und doch präsent: Helmut Schmidt gibt als Ehrengast auf einer Wahlkampfveranstaltung der SPD Olaf Scholz Rückendeckung.

Avatar_shz von
19. Januar 2011, 11:31 Uhr

Hamburg | Nein, sagen muss dieser Mann nichts mehr. Er reißt die Leute auch so von den Sitzen. Ohne ein Wort zu sprechen wurde Altkanzler Helmut Schmidt zum Star eines Wahlkampfabends mit dem Hamburger SPD-Bürgermeisterkandidaten Olaf Scholz. Überraschend hatte sich der 92-Jährige zu dem Routinetermin im Stadtteil Langenhorn angesagt, wenige hundert Meter von Schmidts Wohnhaus entfernt.
Gedacht war der Abend als eine von Dutzenden Etappen auf der Tour "Gespräch mit Olaf Scholz". Jahrzehntelang hatte der Ex-Kanzler, "Zeit"-Herausgeber und Weltökonom derartige Veranstaltungen seines Hamburger Landesverbandes gemieden. Doch nun plötzlich, im Bürgerschaftswahlkampf 2011, machte der Elder Statesman eine Ausnahme.
Beifall und Blitzlichtgewitter
Mehr als 300 erwartungsvolle Menschen drängten sich im übervollen "Langenhorner Lichtspielhaus", als der Ehrenbürger im Rollstuhl hereingeschoben wurde. Die Anwesenden erhoben sich für die lebende Politiker-Legende, spendeten lange enthusiastischen Beifall. Schmidts Augen wurden feucht. Im Blitzlichtgewitter der Pressefotografen wischte er sich die Tränen fort. So hatte die Öffentlichkeit den kantigen Macher-Typen zuletzt Anfang November bei der Trauerfeier für Ehefrau Loki gesehen.
Ein kurzer Plausch zwischen Schmidt und Scholz, dann führte SPD-Kreischef Peter Tschentscher den seltenen Gast ein: "Wir begrüßen einen ganz besonderen Bürger Langenhorns, einen Staatsmann." Es sollte der letzte Anflug von Pathos sein. Fortan war Genosse Helmut ein ganz normaler Zuhörer. Für eine Inszenierung mit sich als Darsteller seiner selbst stand der Altkanzler nicht zur Verfügung.
Stumme Botschaft
Während Scholz auf der Bühne seine Standard-Wahlkampfrede hielt, hörte der prominente Parteifreund in der ersten Reihe ohne erkennbare Regung zu, die Hände schwer auf den Knauf seines Gehstocks gestützt. Bisweilen wirkte der 92-Jährige erschöpft. Dann ließ er den Kopf zur Seite sinken oder verbarg sein Gesicht in den Händen.
Doch Schmidt hielt die vollen anderthalb Stunden durch. Selbst dann noch, als in der Bürger-Fragerunde die kleinen Langenhorner Sorgen zur Sprache kamen: Hunde-Freilaufplätze, Rentenberatungsstellen, nicht beleuchtete Fahrradwege.
Ein Mikrofon ging herum, auch Schmidt hätte es ergreifen und ein paar Worte sagen können. Er tat es nicht und ließ sich am Ende des Abends zum Wagen zurückbringen. Seine Botschaft war zwar stumm, aber unüberhörbar: "Olaf, Du hast meine Unterstützung." Eine Art Ritterschlag für jenen Mann, der sich anschickt, das Rathaus wieder rot zu machen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen