Deutsche in Tunesien : Als Schüsse fielen, packten sie hastig ihre Koffer

Sie landeten sicher in Düsseldorf: Deutsche Touristen nach ihrer Rückkehr aus Tunesien. Foto: dpa
Sie landeten sicher in Düsseldorf: Deutsche Touristen nach ihrer Rückkehr aus Tunesien. Foto: dpa

Sondermaschinen sind an diesem Wochenende eingesetzt, um möglichst alle deutschen Tunesien-Urlauber nach Hause zu holen. Samstagabend trafen die ersten Flugzeuge in Berlin und Frankfurt ein.

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16. Januar 2011, 07:49 Uhr

Hamburg/Monastir | Nach den Unruhen in Tunesien wurden am Samstag erneut deutsche Touristen ausgeflogen. Eine Maschine aus Djerba landete in Frankfurt/Main, zwei Flieger in Berlin. Die Urlauber wurden von ihren Angehörigen begrüßt. Viele der Touristen waren von der überstürzten Abreise überrascht, weil sie von den blutigen Protesten und dem politischen Chaos in ihren Urlaubsanlagen nichts mitbekommen hatten. Andere berichteten von Schüssen, die sie vor dem Hotel hörten.
Eckard Meyer (71) aus Hamburg steckt der Schock noch in den Knochen. 14 Tage Urlaub in Zarzis hatte der Rentner gebucht, er blieb nur vier Tage. "Nur schnell raus hier", dachte er, als sich Demonstranten und Polizisten in seinem Urlaubsort gegenüberstanden.
Luftraum gesperrt
Freitag war der Flugraum über Tunesien zeitweise gesperrt. Grund: Machthaber Ben Ali hatte vor seiner Flucht noch den Ausnahmezustand verhängt und den Luftraum gesperrt. Am späten Freitagabend konnten dann die ersten deutschen Touristen ausgeflogen werden.
Kurz nach 22 Uhr setzten zwei Flugzeuge der Charterlinie Germania auf der Landebahn in Berlin-Tegel auf. Noch am Freitagmorgen lagen viele der Urlauber gemütlich am Strand oder am Pool. Von einer Krise im nordafrikanischen Urlaubsland hätten sie zunächst nicht viel mitbekommen, sagte Stefanie Ombrello aus Kassel kurz nach der Landung in Tegel. Doch dann hieß es auf einmal, "dass wir sofort evakuiert werden müssen".
"Da ist mir schon das Herz in die Hose gerutscht"
Viel Zeit zum Packen gab es nicht. Erst im Flugzeug nach Berlin erfuhr Günther Siegert aus Oberursel (Hessen), dass es 60 Tote gab. "Da ist mir schon das Herz in die Hose gerutscht." Zusammen mit seiner Frau saß er in dem letzten Flugzeug, das am Freitag aus dem tunesischen Urlaubsort Monastir abflog. Sie sagt: "Da ist mir schon sehr flau in der Magengegend geworden."
An diesem Wochenende wollen die Reiseveranstalter nun Tausende Urlauber nach Deutschland zurückholen. Rewe Touristik setzt Sondermaschinen ein, um 2100 Reisende Flug für Flug in die Heimat zu fliegen. Zunächst sollten gestern die Gäste von Monastir aus starten und heute von Djerba. Auch für die ersten der 1000 Tui-Reisenden ging es Samstag nach Hause, sagte Sprecher Mario Köpers. Die ersten Flugzeuge aus Tunesien landeten in Berlin und in Frankfurt.
"Reisen nach Tunesien sind zu gefährlich"
Das tunesische Fremdenverkehrsamt in Deutschland warnt unterdessen vor Reisen nach Tunesien. "Es ist zu gefährlich", sagte der Sprecher des Amtes, Sami Krandel (36), am Rande der Tourismusmesse CMT in Stuttgart. Zum Glück sei noch kein Tourist gestorben - bisher sei es eine rein nationale Angelegenheit.
"Die Lage ist für uns schwer einschätzbar", sagte Rewe-Touristik-Sprecher Tobias Jüngert. Rewe und Tui sagten zudem alle Tunesien-Reisen bis zum 24. Januar ab. Mit Thomas Cook können Kunden frühestens am 21. Januar wieder in das Land am Mittelmeer starten. In den kommenden Tagen können Urlauber ihre Reisen noch kostenlos umbuchen oder ganz absagen.
(shas, shz)

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