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Nabu-Liste : Aida hui, Viking pfui: Das Abgas-Ranking der Kreuzfahrt-Reedereien

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Naturschutzbund kämpft gegen die Abgase der Kreuzfahrt-Riesen. So dreckig sind die Traumschiffe.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 16:18 Uhr

Hamburg | Die Flotten der Kreuzfahrtreedereien teilen sich immer mehr in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Nach dem jüngsten Ranking des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) setzen einige Reedereien weiterhin auf die gesundheitsgefährdende Technik der Vergangenheit, während andere die Zeichen der Zeit erkannt hätten. „Die Branche befindet sich am Scheideweg, spätestens jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer heute noch die Investitionen in Abgastechnik und höherwertigen Kraftstoff scheut, handelt absolut fahrlässig“, sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller bei der Vorstellung der Ergebnisse in Hamburg. Diese beziehen sich nicht auf in Fahrt befindliche Cruiser, sondern nur auf Neubauten, die bis 2022 auf den europäischen Markt kommen werden.

Erstplatzierter der Öko-Hitliste bleibt die Rostocker Aida-Reederei, in diesem Jahr auf einer Stufe mit ihrem Mutterkonzern Costa Cruises. Schmuddelkinder der Traumschiffindustrie sind demnach die italienisch-schweizerische MSC, Viking Ocean und die US-Reederei Royal Caribbean. Die ganze Liste hat der Nabu hier veröffentlicht.

Insgesamt wurden 29 Traumschiffe der Zukunft auf Treibstoffart und Abgastechnik untersucht. Das generelle Fazit: „Die Kreuzfahrtschiffe der führenden Anbieter werden sauberer, allerdings gibt es immer noch zu wenige Schiffe mit umweltfreundlicher Abgastechnik.“ Die allermeisten der Kreuzfahrt-Neubauten verwenden weiterhin das billige, aber schädliche Schweröl. Aus den Schornsteinen der schicken Luxusliner quellen daher große Mengen Abgase wie Stickoxide und Schwefeloxide sowie Rußpartikel. Laut Medizinern können die Schadstoffe teils tödliche Krankheiten wie Lungenkrebs und Herzinfarkt verursachen. Besonders betroffen sind außer Passagieren an Bord und Crewmitgliedern auch Bewohner von Hafenstädten wie Hamburg, Rostock und Kiel.

Uneingeschränktes Lob aus dem Mund der Umweltschützer gab es allein für Aida und Costa, da diese gerade insgesamt vier ökologische Vorzeige-Neubauten für je 6600 Passagiere bestellt haben. Erstmals überhaupt werden diese Kreuzfahrer ganz auf Schweröl verzichten und mit dem deutlich umweltfreundlicheren Flüssigerdgas (LNG) angetrieben. „Das hat weltweiten Vorbildcharakter für die Seeschifffahrt“, sagte Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim Nabu Hamburg. Die Schiffe sollen zwischen 2020 und 2022 ausgeliefert werden.

Alle anderen Anbieter hielten jedoch bei ihren kommenden Modellen am hochgiftigen Treibstoff fest, so die Kritik. „Sie investierten allenfalls dann in Abgastechnik, wenn gesetzliche Bestimmungen sie dazu zwingen.“ So setzen inzwischen fast alle Reeder auf Abgaswäscher (Scrubber), um nach Inkrafttreten verschärfter Schwefelgrenzwerte in Nord- und Ostsee weiterhin mit Schweröl fahren zu können. Vor allem MSC Cruises, Royal Caribbean, Viking Ocean und Norwegian Cruises sähen dagegen keinerlei Veranlassung, ihre Neubauten mit Abgasreinigung auszurüsten oder auf schwefelarmen Kraftstoff umzusteigen. Sie verzichten laut der Untersuchung weiterhin auf Rußpartikelfilter, Stickoxid-Katalysatoren sowie die Möglichkeit für den Landstromanschluss

Dabei schaffe Hamburg gerade die Voraussetzungen für eine Versorgung mit Ökostrom am Kai, so Siegert. Der Terminal Altona erhält die europaweit erste „Riesen-Steckdose“ für Kreuzfahrtschiffe. Schon seit dem Frühsommer beliefert zudem eine LNG-Barge am Terminal Hafencity Schiffe mit sauberer Energie. Umweltfachmann Siegert appelliert an die Schiffseigner: „Nun müssen die Reeder den dort bereitgestellten Strom auch abnehmen, damit die Schiffsmotoren wenigstens für die Liegezeit abgeschaltet werden können.“

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